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Mit "Wir2" Bindungen aufbauen und Beziehungen stärken

Dormagen. Rosemarie Bothe vom Dormagener Sozialdienst bietet in der Kita Krümelkiste ein Training für Alleinerziehende an.

Frau Bothe, was ist "Wir2"?

Rosemarie Bothe Das ist ein Programm, das in der Uniklinik Düsseldorf entwickelt wurde. Ein spezielles Angebot, das sich an alleinerziehende Väter und Mütter wendet, die sich in ihrer Situation Unterstützung wünschen. Die Stadt Dormagen hat dieses Training in ihr Präventiv-Programm aufgenommen.

Warum bieten Sie das an?

Bothe Weil der Bedarf da ist. Es gibt immer mehr Alleinerziehende, die Hilfe suchen, weil sie sich überfordert fühlen, weil sie glauben, sie müssen jetzt Vater und Mutter gleichzeitig sein. Zwischen Arbeit und Haushalt finden sie nicht genug Zeit für ihr Kind und schon gar nicht für sich selbst.

Heißt, die Teilnehmer erfahren, wie sie ihre Zeit besser einteilen können?

Bothe Nicht direkt. Zunächst einmal versuchen wir, die Teilnehmer zu stabilisieren. Sie beschäftigen sich erst einmal mit ihrer Biografie, auch mit der Trennungsphase von ihrem Partner. Wichtig ist, eine klare Grenze zwischen Partnerkonflikt und Elternrolle zu ziehen. Dann wird über die Beziehung zum Kind gesprochen. Wie viel Bindung braucht es, wie viel Platz zu seiner Entfaltung? Schließlich geht es darum, wie man im Alltag mit Stress und Konflikten umgeht.

Vor dem eigentlichen Training, das 20 Sitzungen à 90 Minuten umfasst, bieten Sie eine Informationsveranstaltung an. Warum?

Bothe Damit alle wissen, auf was sie sich einlassen. Und dort schon feststellen können, ob sie sich in der Gruppe wohlfühlen. Immerhin sind 20 Sitzungen nicht wenig, und man sollte sich dort schon öffnen und über sich reden können.

Sie sind ausgebildete Trainerin und werden den Kurs auch leiten. Was stellen Sie bei den Teilnehmern immer wieder fest?

Bothe Gerade bei den Müttern bemerke ich oft fehlendes Selbstbewusstsein, was vollkommen unbegründet ist bei dem, was die meisten leisten. Wir machen zum Beispiel eine Übung, bei der Komplimente ausgetauscht werden. Da merken wir immer wieder, dass viele solch eine Wertschätzung überhaupt nicht gewohnt sind. Und schwierig ist es auch für viele, über sich und ihre Gefühle zu sprechen. Da brechen nicht selten Wunden auf.

Ist der Blickwinkel nach dem Training ein anderer?

Bothe Auf jeden Fall. Auch wenn es nicht einfach ist, die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen. Das geht auch nicht von einem auf den anderen Tag. Und alle müssen es eh nicht sein. Schwer fällt auch, nach den 20 Sitzungen Abschied zu nehmen.

Können alleinerziehende Männer und Frauen teilnehmen?

Bothe In der Krümelkiste bieten wir das jetzt nur für Frauen an. Denn wir haben festgestellt, dass alleinerziehende Männer andere Bedürfnisse haben und auch lieber zumindest einen männlichen Trainer dabei haben. Leider haben wir bis jetzt nur einige Erzieherinnen, die sich zu "Wir 2"-Trainerinnen haben ausbilden lassen.

ANNELI GOEBELS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: NGZ
 
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