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Dormagen
Nach Fraktionswechsel beginnt der Poker um Ausschuss-Sitze

Dormagen. Das bisherige SPD-Mitglied Gerd Sräga hat seine Ausschuss-Sitze zurückgegeben. Die bald dreiköpfige FDP wünscht mehr Plätze. Von Carina Wernig

Auch zwei Tage nach der Ankündigung des bisherigen SPD-Ortsvereinsvorsitzenden von Zons, Gerd Sräga, aus der Partei auszutreten, aber sein Ratsmandat zu behalten und sich der FDP-Fraktion anzuschließen, haben die Spitzen seiner ehemaligen Partei und Fraktion seine für sie überraschende Entscheidung scharf kritisiert. Von den persönlichen Enttäuschungen abgesehen, hat der Fraktionswechsel auch ganz konkrete Folgen: Die SPD verliert nicht nur eine ihrer bisher 16 Stimmen im Rat und damit den Status als stärkste Fraktion an die CDU (16), sondern auch die nach der Kommunalwahl 2014 ausgehandelte Ausschusszusammensetzung wackelt. Zwar hat Sräga seine Ausschüsse - unter anderem Umwelt- und Planung - zurückgegeben, jedoch wünscht sich die FDP mit jetzt drei statt zwei Mitgliedern eine Neubesetzung und eine bessere Sitz-Berücksichtigung: "Allerdings nicht mit aller Gewalt, sondern lieber einvernehmlich", meinte FDP-Fraktionschef Karlheinz Meyer. Noch vor der Ratssitzung am Donnerstag treten einige Fraktionen jetzt in Verhandlungen.

"Der Rücktritt von den Ausschusssitzen gehört sich so", sagte Gerd Sräga (58) gestern. Und um mit seinem Fraktions-Wechsel nicht die Landratswahl zu beeinflussen, habe er eigens bis Sonntag mit seiner Ankündigung gewartet. Der Kontakt zur FDP habe "sich einfach ergeben", mit der Zeit habe er gemerkt, dass er sich dort "besser aufgehoben" fühle. Der Unternehmer Sräga bemüht den Vergleich mit einer Ehe: "Wie in einer Ehe kann es passieren, dass ein Partner sich zum Gehen entscheidet, das geht dann leider nicht ohne Schaden, und der Verlassene ist gekränkt." Ein Grund sei gewesen, dass Sräga sein Wahlversprechen, gegen das für ihn nicht denkmalgerechte Kreisarchiv zu sein, nicht mehr erfüllt sah.

SPD-Fraktionsvorsitzender Bernhard Schmitt sagte: "Wir haben als Fraktion seine abweichende Meinung zum Neubau des Kreisarchivs immer akzeptiert. Einen Fraktionszwang gab es nicht, er hat im Planungsausschuss gegen das Vorhaben gestimmt. Als Ratsmitglied muss man aber auch akzeptieren, dass man der Fraktion seine Meinung nicht aufzwingen kann." Schmitt kritisierte die Ratsmandat-Mitnahme: "Gerd Sräga scheint vergessen zu haben, dass die Menschen in Zons ihn als Vertreter der Politik der SPD gewählt haben. Durch seine Entscheidung, sich der FDP anzuschließen, missachtet er bewusst den Wählerwillen." Das zeige ein merkwürdiges Demokratieverständnis. SPD-Stadtverbands-Chef Carsten Müller sagte gestern: "Gerd Sräga hat mich ohne Angabe von Gründen per E-Mail über seinen Parteiaustritt informiert."

Quelle: NGZ
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