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Dormagen
Neue Dorfläden für den Einkauf vor Ort

Dormagen: Neue Dorfläden für den Einkauf vor Ort
Ist das Konzept des „DORV-Zentrums“ im Jülicher Ortsteil Barmen auch in Gohr umsetzbar? Heinz Frey (l.) und seine Mitstreiter betreiben den dortigen Tante-Emma-Laden seit mehr als zehn Jahren. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Dormagen. Mit Hilfe der Bürger soll in Gohr ein "DORV-Zentrum" entstehen, in dem auch Lebensmittel verkauft werden. Die Verwaltung schlägt dieses neue Konzept vor, das im Erfolgsfall auch auf Straberg zu übertragen wäre. Von Carina Wernig

Die fehlende Versorgung durch einen Lebensmittelhändler war das Hauptthema beim Stadtteilgespräch in Gohr vor 14 Monaten - neben Verkehrsbelastungen und dem noch nicht umgesetzten neuen Wohnraum für Neubürger. Jetzt schlägt die Stadtverwaltung ein neues Konzept vor, mit dem in versorgungsarmen Gebieten eine ortsnahe Grundversorgung sichergestellt werden soll: das "DORV-Zentrum". Neben Lebensmitteln soll es dort Dienstleistungen von öffentlichen bis zu privaten Anbietern geben, aber auch soziale, medizinische, kulturelle und kommunikative Angebote. Das Zentrum soll zu einem Kommunikations-Treffpunkt werden. In etwa 30 kleineren Gemeinden und Stadtteilen in ganz Deutschland ist das bürgernahe Konzept bereits umgesetzt worden, wie die Stadt mitteilt. Betrieben werden die "DORV-Zentren" von Bürgern, Unternehmen und anderen Trägern.

Mit einer Basis- und Bedarfsanalyse sollen die Bürger gemeinsam mit dem Projektentwickler ein passgenaues "DORV-Zentrum" erstellen, das dann umgesetzt wird. Für diese Beratung und Unterstützung werden 15.000 Euro fällig, die die Verwaltung bereit ist, in den Haushalt 2017 einzustellen.

Bürgermeister Erik Lierenfeld und Fachbereichsleiterin Ellen Schönen-Hütten haben sich ein bestehendes "DORV-Zentrum" in Jülich-Barmen angesehen, das Heinz Frey seit mehr als zehn Jahren betreibt. Das Konzept hat sie überzeugt. "Ein DORV-Zentrum wäre für Gohr ein erheblicher Gewinn. Ich bin überzeugt, dass auch die Gohrer hier eine Chance erkennen und sich dementsprechend einbringen", ist sich der Bürgermeister sicher.

Nicht nur Gohr würde von solch einer Umsetzung profitieren. Für Ellen Schönen-Hütten ist das Konzept, wenn es in Gohr erfolgreich laufen sollte, auch eine Blaupause für den ebenfalls unterversorgten Stadtteil Straberg. "Wenn es in Gohr gut läuft, warum nicht auch dort?", fragt die Fachbereichsleiterin.

Ein in Aussicht gestelltes Modell, bei dem sich ein Tankstellenbetreiber im nördlichen Bereich von Gohr mit einem großen Sortiment im Shop niederlassen könnte, ist bisher nicht umgesetzt worden, da es am nötigen Betreiber gescheitert ist. Für Stefan Kemper aus Gohr bleibt wichtig, dass der Ort durch neue Bewohner, vor allem junge Familien, weiterhin ein gutes Dorfleben und eine Zukunft erhalte. Dazu gehöre für ihn auch der Lebensmittelhändler, wie er vor einem Jahr betonte.

Norbert Kruchen, der Brudermeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Gohr, begrüßte gestern zwar die Absicht, für Gohr ein Zentrum mit einem Lebensmittelangebot zu schaffen. Er befürchte jedoch, dass sich die Umsetzung nicht rechne: "Da könnte die Geiz-ist-geil-Mentalität für nicht genügend Umsatz sorgen", sehe er die Pläne von der betriebswirtschaftlichen Seite. Die meisten Gohrer würden ihren Haupteinkauf in den preiswerten Discountern tätigen - nur falls sich das ändere, trage sich ein solcher Tante-Emma-Laden. Aber genau für diese Untersuchungen gebe es ja die Bedarfsanalyse.

Quelle: NGZ
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