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Dormagen
Ordensleute im Kloster wünschen sich Wein und gute Zigarren

Ein Rundgang durch das Kloster Knechtsteden
Dormagen. Weihnachten im Kloster. Da wird doch sicher viel gebetet, alles ist streng vorgegeben, der Tag durchorganisiert. Gedanken an "Der Name der Rose" geistern durch den Kopf. Mönche hinter dicken Mauern, die hart arbeiten, über vielen religiösen Büchern grübeln. Weihnachtsfreude, geschmückte Tannenbäume und Bescherung passen in ein solches Klischeebild irgendwie nicht hinein. Von Anne Richter

Doch wie ist es wirklich? Wir haben Pater Bruno Trächtler, Leiter und Verantwortlicher für die Gemeinschaft der Ordensleute im Kloster Knechtsteden, gefragt. Er fegt als erstes das Kloster-Klischeebild schnell beiseite. Es heißt zwar "Kloster Knechtsteden", die beeindruckend schönen Gebäude mit der Basilika sehen aus wie ein Kloster und waren er früher auch, doch heute leben die Menschen in Knechtsteden nicht mehr in einem Kloster. "Missionshaus" sei die richtige Bezeichnung, erklärt Pater Trächtler. Die Ordensleute seien auch keine Mönche. Sie sind Spiritaner, gehören somit einer modernen Missionsgemeinschaft an. Mönche in Klöstern, so erläutert Pater Trächtler den Unterschied, leben häufig nach der Benediktsregel mit dem Wahlspruch "bete und arbeite". Dort gebe es meist fünf feste Gebetszeiten am Tag. In Knechtsteden hingegen kommen die Ordensleute nur morgens zur Laudes und abends zur Vesper zusammen, zudem wird ein Gottesdienst gefeiert. "Es gibt keinen rigiden Tagesablauf", sagt Pater Trächtler.

Das hängt auch mit einem zweiten Aspekt zusammen, der das Missionshaus von anderen Klöstern abhebt. 24 Männern leben in Knechtsteden. "Die meisten sind zwischen 74 und 91 Jahre alt", erklärt Pater Trächtler. Viele von ihnen waren jahrelang als Missionare tätig, in afrikanischen oder südamerikanischen Ländern. Für sie sei das Kloster eher ein Altersruhesitz. "Jeder hat seinen eigenen Rhythmus", sagt der 76-Jährige. Und Weihnachten? Da geht es in Knechtsteden eher nüchtern zu, beschreibt Pater Trächtler. Weihnachten startet mit einem Einkehrtag am ersten Advent, danach bereitet sich jeder der Ordensmänner individuell auf das Fest vor. Am Freitag vor dem 4. Advent findet eine Bußandacht statt, dann können die Feiertage kommen. Rechtzeitig vor Heiligabend gilt es allerdings den Wunschzettel zu schreiben. Jeder, so erklärt der Pater, könne sich eine Kleinigkeit wünschen – der eine vielleicht ein paar gute Zigarren, der andere eine schöne Flasche Wein. Eine Dame des Hauses spielt dann das Christkind und besorgt die Einkäufe.

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Die Feier des Heiligen Abends beginnt für die Ordensleute mit der Vesper um 18 Uhr, danach gibt es ein festliches Abendessen. "Dieses Jahr haben wir Wild bestellt", verrät Pater Trächtler. Den Klassiker Kartoffelsalat und Würstchen gebe es dann zu Silvester, fügt er augenzwinkernd hinzu. Im Anschluss findet die Bescherung statt. Es werden Texte verlesen, religiöse und auch lustige, und Weihnachtslieder gesungen. "Es ist eine schöne Zeit, wenn wir dann zusammen sitzen", sagt der Leiter der Gemeinschaft.

Er verschweigt aber nicht die Spannung zwischen Gefühl und Nüchternheit, die über Weihnachten liegt. Das liegt einerseits daran, dass manche der Ordensmänner sich gerade am Fest der Familie daran erinnert fühlen, dass sie keine eigene Familie, keine Kinder haben. Andererseits haben viele der Männer jahrelang Weihnachten im Ausland gefeiert, dort womöglich auch harte und schlimme Zeiten durchlebt, in denen Gefühle verkümmern können. "Da ist dann nichts mit stiller Nacht und Schnee", erklärt Pater Trächtler, der selbst von 1967 bis 1991 in Brasilien war.

Ist es denn an Weihnachten einsam im Kloster? Bei der Antwort auf diese Frage zögert Pater Trächtler, denkt eine Weile nach. "Könnte sein", sagt er schließlich. Manchmal. Am Ende seien alle durch das Leben religiös geprägt, und das religiöse Geschehen an Weihnachten gebe auch eine Antwort. Zudem herrsche in der Gemeinschaft ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Die Bescherung dauert bis 22 Uhr, dann wird die Christmette gefeiert. Am Abend des 1. Weihnachtstages gibt es Bier und Wein, es wird erzählt und gefeiert, es ist festlich.

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