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Dormagen
Politik streitet über Umbenennung

Dormagen: Politik streitet über Umbenennung
FOTO: "Tinter, Anja (ati)"
Dormagen. Der Planungs- und Umweltausschuss konnte sich zu keiner Entscheidung über den Umgang mit umstrittenen historischen Persönlichkeiten durchringen. Von S. Schneider

Die Carl-Duisberg-Straße in Dormagen-Nord und die Hindenburgstraße in Nievenheim werden in naher Zukunft nicht umbenannt. Der Planungs- und Umweltausschuss vertagte in seiner jüngsten Sitzung eine Entscheidung über den Umgang mit den umstrittenen historischen Persönlichkeiten Duisberg und Hindenburg. Allerdings nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag. Das Gremium folgte einstimmig einem Vorschlag von Bürgermeister Erik Lierenfeld. Danach soll die Stadtverwaltung noch innerhalb der laufenden Wahlperiode eine Umfrage unter Eigentümern und Mietern aus den beiden Straßen vorbereiten. Die Anwohner sollen kundtun, ob sie entweder eine Umbenennung wollen oder - wie von Hermann Harig (CDU) vorgeschlagen - zusätzliche Schilder, die kritisch über den Chemiker und Industriellen Duisberg und den früheren Reichspräsidenten Hindenburg aufklären, oder nichts von beidem.

Politik und Stadt wollen die Mieter und Eigentümer an der Carl-Duisberg-Straße zum Straßennamen befragen. FOTO: Anja Tinter

Vorangegangen war eine kontroverse Diskussion des Ausschusses. Das Thema war durch zwei separate Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und Piraten/Die Linke ins Rollen gekommen. Beide Fraktionen hatten sich für die Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße ausgesprochen. Ein Expertentrio mit Kreisarchivar Stephen Schröder, Karl Emsbach und Heinz Pankalla hatte sich nach einem entsprechenden Auftrag des Planungsausschusses in den vergangenen Monaten intensiv mit Duisberg - und zusätzlich mit Hindenburg - beschäftigt und dem Gremium seine Forschungsergebnisse vorgelegt.

Allerdings ganz bewusst ohne Handlungsempfehlung, wie Schröder im Gespräch mit unserer Redaktion betonte: "Das ist nicht unsere Aufgabe." Die Fachleute lieferten Informationen, aber die Politik müsse sich ihr eigenes Urteil bilden. Das tat sie auch, kam aber zu grundlegend unterschiedlichen Ergebnissen. Martin Pehe (Grüne) zum Beispiel beurteilte Duisbergs Handeln nach der Lektüre des Untersuchungsberichtes als "überwiegend negativ" in der Zeit des Ersten Weltkriegs, Karl-Heinz Heinen (CDU) hielt dagegen, Duisberg habe Dormagen als Mitgründer der IG Farben (später Bayer) "zu dem gemacht, was es heute ist". Auch Hans-Joachim Woitzik (Zentrum) wollte die Berichte der Experten "nicht so lesen wie Herr Pehe".

Carl Duisberg befürwortete die Giftgasproduktion. FOTO: Bayer AG

Festgelegt wurde unterdessen, dass sich die Experten Schröder, Emsbach und Pankalla weiter mit kritischen Straßennamen in Dormagen beschäftigen sollen. Auf einer Liste finden sich davon noch sieben, u.a. die Geyr-von-Schweppenburg-Straße und die Boelckestraße. Die Ergebnisse sollten dann aber nicht mehr dem Planungs- und Umweltausschuss vorgelegt werden, sondern dem Kulturausschuss, entschieden die Politiker unisono.

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Quelle: NGZ
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