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Dormagen
Polizei rollt Brand-Fälle neu auf

Dormagen: Polizei rollt Brand-Fälle neu auf
Fachleute einer Firma für Stahlbetonbau schlagen poröse Teil der Brückendecke ab (o.). Vor der Autobahnabfahrt staut sich der Verkehr. FOTO: H. Jazyk (2)/R. Cramer
Dormagen. Das Dutzend Brandstiftungen in den vergangenen sechs Monaten in Dormagen nimmt die Polizei nach dem A 57-Unfall mit einem Toten und acht Schwerverletzten in den Fokus. Eine heiße Spur gibt es offenbar noch nicht. Von Klaus D. Schumilas

Die Polizei nimmt im Zusammenhang mit der Brandstiftung an der A 57 die Feuer-Serie in Dormagen unter die Lupe. Das bestätigte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei : "Wir schauen uns alles an. Jedes kleine Branddelikt rückt in den Fokus." Die Polizei rief die Bürger auf, verdächtige Beobachtungen im Tatzeitraum zu melden. Zur fraglichen Zeit in der Nacht sei unter der Autobahnbrücke in dem unbewohnten Gebiet allerdings "nicht viel los gewesen", sagte Staatsanwalt Matthias Ridder. Eine heiße Spur gebe es nicht.

In der Nacht von Montag auf Dienstag sind in einer Massenkarambolage 15 Autos und sechs Lkw ineinander gefahren, weil eine extreme Rauchentwicklung unter der Brücke die Sicht nahm. Unbekannte haben dort einen Stapel Kunststoffrohre entzündet. Ein Jüchener (29) starb, eine 35-Jährige aus dem Rhein-Kreis schwebt in Lebensgefahr; acht Menschen im Alter von 29 bis 47 Jahren wurden schwer, weitere fünf im Alter von 23 bis 56 Jahren leicht verletzt.

Was könnte einen solchen Brandstifter angetrieben haben? Eine Antwort ist schwierig, sagt die Rechtspsychologin und Honorarprofessorin an der Uni Köln, Sabine Nowara: "Das kann Rache oder Wichtigtuerei sein, ebenso eine Tat von alkoholisierten Tätern." Ob sie die mögliche Wirkung der Brandstiftung unter einer Autobahnbrücke bedacht haben, ist offen: "Ich kann mit einer kleinen Waffe eine große Wirkung erzielen, ohne mir dessen bewusst zu sein. Wäre ein Feuerwehrmann oder ein ähnlicher Experte der Täter, wüsste er um die Folgen." Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich der Täter aufgrund der schlimmen Folgen stellt, hänge auch davon ab "wie groß das Schuldbewusstsein ist."

Die Polizei erhält Rückendeckung von Politik und Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann: "Ich gehe davon aus, dass der Landrat als Chef der Kreispolizeibehörde und ggf. auch das Landeskriminalamt die Ermittlungen im erforderlichen Umfang und Tempo vorantreiben werden." CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer will die Ergebnisse des Sachverständigen abwarten. Zwei Tage nach der Tat sehe er keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Polizei. Bernhard Schmitt (SPD: "Wenn man sieht, wie lange es gedauert hat, die Autobrände in Berlin aufzuklären, weiß man um die Probleme der Polizei in einer ländlichen Gegend wie Dormagen. Natürlich müssen die bisherigen Aktivitäten auf den Prüfstand."

(NGZ/rl)
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