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Dormagen
Professor schlägt Bogen vom Louvre zur barocken Stuckdecke im Museum

Dormagen. Der Niederrhein gehört nicht gerade zu den Kulturlandschaften, die in der Barockzeit Geschichte schrieben. Und doch gibt es zwar wenige, aber einzigartige Zeugnisse der Kunst und Literatur. Die im Kreismuseum Zons aufbewahrte Stuckdecke von 1652 gehört dazu. Sie stammt aus Emmerich, das Kreismuseum rettete mit Unterstützung des Landschaftsverbandes die Arbeit vor dem Verkauf ins Ausland und baute sie 1974 im zwei Jahre zuvor eröffneten Museum ein. "Emmerich trauert, Zons kann sich freuen", sagte jetzt im Gewölbekeller des Kreismuseums im Rahmen eines Vortrages Professor Dr. Eckhard Grunewald, Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler an der Universität Oldenburg. Der Vortrag "Barock am Niederrhein" zog viele interessierte Besucher auch aus umliegenden Städten und Gemeinden an, worüber sich Museumsleiterin Angelika Riemann und Stephen Schröder vom Archiv im Rhein-Kreis Neuss besonders freuten. Professor Grunewald machte sich quasi "steckbrieflich" auf die Suche nach Vorbildern für die Stuckdecke, die nach Restaurierung in neuem Gewand und neuem Licht besichtigt werden kann. Er entdeckte eindeutige spanische, italienische und vor allem niederländische Einflüsse. So ist die "Anbetung der Hirten" im dreiteiligen Ensemble die Kopie des Bildes eines niederländischen Malers, das im Louvre in Paris zu finden ist. Auch die "Anbetung der drei Könige" ist die Adaption eines Kupferstiches des in Bracht geborenen Malers Hendrick Goltzius (1558-1616). Von Hansgeorg Marzinkowski

Im zweiten Teil seines Vortrages interpretierte Grunewald vor allem die Weihnachtsdichtung des in Kaiserswerth geborenen Jesuiten Friedrich Spee (1591-1635). Der bedeutendste katholische Lyriker des deutschen Barock ist in vielen Liedern auch heute noch sehr bekannt ("Zu Bethlehem geboren"). Seine Vorliebe für Ochs und Esel skizzierte der Wissenschaftler als ausgesprochen "rheinische christliche Heiterkeit", die über die Jahrhunderte bis zu den Liedern eines Hanns Dieter Hüsch zu beobachten sei. Ganz in diesem Sinne wünschte der Referent humorvolle Weihnachten.

Quelle: NGZ
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