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Dormagen
Risiko Leben - Kabarettist Holzbecher klärt auf

Dormagen. Fragen über Fragen: Hans Holzbecher pickt dahin, wo es weh tut und wünscht sich mehr positives Denken im Alltag. Von Klaus Niehörster

Mit Fragen beginnt Hans Holzbecher seine Ein-Mann-Show am Samstagabend in der Knechtstedener Theaterscheune. Und es kommen immer mehr hinzu, so dass an befriedigende Antworten kaum zu denken ist. Bei all den Ungereimtheiten in der Welt ist der Zuhörer voll gefordert.

Ein Kabarettist hat es leicht, wenn er sein Metier versteht. Noch nie war die Welt heil, und heute ist sie es schon gar nicht. Ein Kabarettist hat es schwer, denn er muss für seinen zweistündigen Auftritt eine Auswahl treffen und das Publikum dosiert traktieren. Beides versteht der Politik-Kabarettist Hans Holzbecher glänzend. Er will wissen, "ob die Wahrheit ein Gesicht hat und sich nicht versteckt." Seine Antworten haben wenig mit dem "daily business" zu tun, sondern mehr mit dem gemeinsamen Erleben.

Aber welche Realität ist gemeint? Heute klinkt sich jeder im Schnitt sieben bis acht Stunden ins Netz ein. Kommt es also darauf an, was man gern so oder so hätte? Da ist was dran, auch wenn man sich damit eine gefilterte Wahrheit einhandelt. Früher legte man sich ein Kissen unter und blickte aus dem Fenster. Was auf der Straße ablief, das war die Realität. Heute zerbrechen ringsum Illusionen: "Kommentare sind wichtiger als die Realität." Was um uns herum geschieht oder in fernsten Fernen, wird vor allem als Bedrohung und Risiko empfunden.

"Realitäten-Hopping" nennt Holzbecher die gesteuert-verengte Wahrnehmung, die anhaltend für Besorgnisse sorgt. "Wir wissen doch gar nicht mehr, wie das hier alles so gemeint ist", eröffnet er einem verblüfften Publikum. Solche Missverhältnisse sorgen dafür, dass es noch lange nicht dasselbe ist, wenn zwei Menschen das Gleiche sagen. Vom mangelnden Vermögen zuzuhören ist im Übrigen ganz zu schweigen. "Sprache kann so einfach sein", behauptet er, der es wissen muss, aber die Zuhörer in der Theaterscheune mit jeder neuen Wendung seines Auftritts herausfordert.

Seine Feststellungen sind gelegentlich arg zugespitzt, zeigen aber auch oft den Ausweg. "Dieser Planet wird von Bedürftigen und Schwachsinnigen bevölkert", ruft er aus, um sogleich seinen Hilferuf anzufügen: "Wo bleibt die Aufklärung?"

Statt immer neuer TV-Brennpunkte, die regelmäßig unser aller riskante Existenz in Bild und Wort setzen, wünscht sich der tiefernste Spaßmacher eine Rückbesinnung - auf die Gemeinschaft beispielsweise. Gegen Ende holt der Kom(m)ödchen-Regisseur gar den Rat großer Philosophen ein und lässt Gott auftreten, in dessen Höhen er abfliegt. "Das Leben ist ein Bossanova", lautet Hans Holzbechers versöhnlicher Schluss. Wir sollten unbedingt mehr singen.

Quelle: NGZ
 
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