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Dormagens älteste Kneipe
Römerkrug macht für immer dicht

Dormagens älteste Kneipe: Römerkrug macht für immer dicht
Das letzte Bier wurde gestern schon nicht mehr für die Gäste gezapft, der "Römerkrug" ist geschlossen. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Still und heimlich, ohne Abschiedsparty: Dormagens älteste Kneipe hat für immer geschlossen. Sie wird zur Wohnung umgebaut. Von Klaus D. Schumilas

Auf der Homepage wird noch für die Halloweenparty am Dienstag geworben. Gruselstimmung herrscht aber jetzt schon im "Römerkrug". Die älteste Kneipe von Dormagen an der Krefelder Straße 22 hat gestern dicht gemacht. Für immer. Still, heimlich, traurig. Kein "Tschüss", keine Abschiedsparty, kein letztes Bier mit den Stammgästen.

Jennifer Hillekamp, Tochter der Betreiberfamilie, hat die Nase voll. Sie stellt nüchtern fest: "Wir wollten uns nicht mit einer Abschiedsparty das Lokal weiter ramponieren." Ihre Mutter Veronika hat gestern Vormittag im Rathaus das Lokal abgemeldet. Schluss, Aus nach 277 Jahren. Die Erinnerung an die Historie, an gute und schlechte Tage im Schankraum wird bei Hillekamp bleiben, denn sie wird künftig mit Ehemann und den beiden Kinder dort in der zu einer Wohnung umgebauten Kneipe leben.

Es sind wirtschaftliche Gründe, die die Familie zu diesem harten Schnitt gezwungen haben. "Es lohnt sich nicht mehr", sagt Hillekamp. "Unter der Woche sind kaum Gäste da. Dazu gibt es Ärger mit den Nachbarn, wenn die Musik zu laut ist, oder mit dem Ordnungsamt, wenn die Sperrstunde mal überschritten wurde." Sie vermisst Unterstützung: von den Vereinen, die für Treffen im Römerkrug keine Miete zahlen wollten, von der Stadt, die "auch mal ein Auge hätte zudrücken können".

Hinzu kamen interne Problem: "Einige Pächter haben den Römerkrug herunter gewirtschaftet. Das Image ist schlecht." Da half es auch nicht, dass die Familie schließlich selbst den Zapfhahn in die Hand nahm und Mutter Veronika die Federführung übernahm. "Weil es auch eine Sache des Herzbluts ist", so Hillekamp. Trotzdem musste die "Notbremse" gezogen werden, wie sie es nennt.

Seit Ende der 1950er Jahre wurde der Römerkrug wieder als Gastwirtschaft betrieben. Die Familie verpachtete das Haus und zog in einen angrenzenden Neubau. Vor sieben Jahren übernahmen Wolfgang Richrath und seine Tochter das Geschehen am Tresen.

Die Reaktionen vor allem im Internet sind heftig und zeigen die emotionale Verbundenheit vieler Dormagener mit dem Römerkrug. Der Dartverein Just for Fun "wusste von nichts", schreibt er auf Facebook. Ein anderer Gast spricht dort von einer "verdammten Tragödie, dass kein gebührender Abschied" gefeiert werden konnte, und von "Frechheit".

Auch andere hoffen, dass es vielleicht doch zu einem "letzten, gemeinsamen Bier" kommt. Es gibt aber auch Verständnis für die freie Entscheidung der Familie, die ihr zustehe. Historiker Eduard Breimann findet, dass "gerade diese alte schöne Architektur jede Form einer Kneipe zu einem Kult-Erlebnis machen kann. Und jetzt das! Schade und traurig. Wieder verschwindet ein Stück des geliebten Dormagen."

Die Werbegemeinschaft City-Offensive Dormagen (CiDo) mit ihrem jungen Führungsteam ist ebenfalls geschockt. Vorsitzender Robin Zur spricht von einem "riesengroßen Trauerspiel. Für mich unverständlich, wie man die kultigste Kneipe zu einer Wohnung umbauen kann".

Quelle: NGZ
 
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