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Serie Oldtimer-Liebe
Rollend flanieren wie einst die Nitribitt

Serie Oldtimer-Liebe: Rollend flanieren wie einst die Nitribitt
Legendäres Design: Die Linienführung des Mercedes-Benz 190 SL ist zeitlos elegant und machte den Wagen zur Stilikone einer ganzen Generation. FOTO: Bernd Rosenbaum
Dormagen. Viele Menschen träumen davon, einmal in einem solchen Wagen zu sitzen. Der 190 SL von Mercedes-Benz ist eine Legende. Walter Krause und seine Frau Dagmar haben sich diesen Traum erfüllt. Von Bernd Rosenbaum

Ihr Auto sieht aus, als wäre es eben erst aus der Werkshalle gerollt. Einzig die leicht gelblich verfärbten Weißwandreifen deuten darauf hin, dass der schwarze Flitzer nicht mehr ganz fabrikneu ist. "Da kommen demnächst noch vier neue Reifen dran", sagt Krause fast ein bisschen entschuldigend. Tatsächlich ist sein Wagen fast 60 Jahre alt.

Selbst das Becker-Radio ist Original und liefert je nach Sender moderne Hits oder Schlager der 1950er Jahre. FOTO: Rosenbaum Bernd

"Genau so sah auch das Auto von Rosemarie Nitribitt aus", weiß Krause. Auf alten Fotos ist die wohl berühmteste Edel-Prostituierte der deutschen Nachkriegsgeschichte in eben diesem Sportwagen abgelichtet, den sie in ihrer Zeit in Frankfurt fuhr. Und auch Krauses Modell war einmal in der Main-Metropole unterwegs, wie die Wagenpapiere belegen. Doch das Auto der Nitribitt kann es nicht sein, denn die wurde schon im Oktober 1957 ermordet. Außerdem hat Modezar Karl Lagerfeld persönlich den Original-Nitribitt-Flitzer gekauft und später nach eigenem Bekunden zu Schrott gefahren.

Doch auch Krauses Exemplar wurde vor drei Jahren noch zu einer Berühmtheit. Zumindest wurde er zum Filmstar. Ein Regisseur war zufällig auf das Gefährt aufmerksam geworden. Genau so ein Modell suchte er für einen Fernsehspielfilm, der größtenteils in den 1950er Jahren angesiedelt war. "Zwei Drehtage lang war er im Einsatz", erinnert sich Walter Krause. Jetzt kann man sein Auto in der RTL-Produktion "Starfighter - Sie wollten den Himmel erobern" bewundern, die im November 2015 erstmals ausgestrahlt wurde.

Cockpit aus einer anderen Zeit: Ein weißes Lenkrad mit dem Hupring steuert das fabrikneu aussehende Gefährt. FOTO: Rosenbaum Bernd

Der Mercedes-Benz ist keineswegs Krauses erster Oldtimer, inzwischen aber der einzige. Der Rentner hat 24 Jahre lang als Außendienstmitarbeiter einer auf Fördertechnik spezialisierten Firma gearbeitet. "Wir haben Förderbänder zum Berge versetzen betreut", so Krause. Nach seinem Wechsel in den Ruhestand wollte er für sich und seine Frau ein schönes Ausflugsauto kaufen. Bis dahin waren beide regelmäßig auf einem Trike unterwegs. "Das Anlegen der Lederklamotten wurde uns irgendwann lästig", sagt Walter Krause. Also erwarb er einen britischen MG TF von 1954, an dem aber noch viel zu restaurieren war. Da das aus gesundheitlichen Gründen bald nicht mehr ging, kaufte er dazu einen Triumph TR 3a von 1959. Der war zwar fix und fertig. "Bei dem musste man aber nach 300 Kilometern etliche Schrauben anziehen", erinnert sich Krause. 2013 schließlich stieß er in Saarbrücken auf den 190er, von dem auch seine Frau sofort begeistert war.

So verkaufte er die beiden anderen Oldtimer wieder und erwarb den SL. Das kaputte Verdeck ließ er reparieren, ebenso wie die Ledersitze. Und auch ein originalgetreues Becker-Radio ließ er wieder einbauen. Laut Gutachten ist der Wagen nun in einem fast makellosen Originalzustand. Nur zwei Dinge fügte Walter Krause hinzu: Fußmatten, in die er eigens den Mercedes-Stern einsticken ließ, und eine batteriebetriebene Lautsprecherbox mit Bluetooth-Schnittstelle, damit er auch während der Fahrt mit Freisprecheinrichtung telefonieren kann.

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Quelle: NGZ
 
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