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Dormagen
Schellack-Schätzchen gegen Spende abgeben

Dormagen: Schellack-Schätzchen gegen Spende abgeben
Beate Heil und Wolfgang Hennig nehmen beim Benefiz-Trödel ein Gratis-Nordmende-Röhrenradio mit. Über die Spende freut sich Volkmar Hess (r.). FOTO: Ati
Dormagen. Zweimal im Jahr veranstaltet das Phonomuseum einen "Verschenktag", dessen Erlös dem eigenen Förderverein zugute kommt. Von Vera Straub-Roeben

Das Dampfradio von Saba aus den 50-er Jahren fand schon nach fünf Minuten einen neuen Besitzer, zugleich wurde das Radio im Wirtschaftswunder-Design von Nordmende interessiert beäugt. Auch in diesem Jahr lockte am "Verschenke-Tag" der Benefiz-Trödelmarkt zahlreiche Nostalgie-Fans ins Internationale Phono- und Radiomuseum an die Bahnhofstraße. "Wir stemmen alles privat, deswegen sind wir natürlich darauf erpicht, dass wir unsere Portemonnaies schonen können", erklärte Volkmar Hess diese Idee.

Wer etwas fand, das er gern mit nach Hause nehmen wollte, durfte dies tun - gegen eine Spende. "Von allem, was in den Hut wandert, profitiert unser Museum. Beim ersten Mal waren es 210 Euro, das war ein sehr gutes Ergebnis", erinnert sich Hess. Und auch an diesem Wochenende wanderten große und kleine Scheine in den roten Hut. Tonträger - ob Schellack oder Vinyl - gab es in rauen Mengen, darunter "Peter Beil und seine großen Erfolge", Musik von "The Les Humphries Singers" oder Cat Stevens "Buddha and the Chocolate Box" ebenso wie beliebte Stücke von Baccara oder Harry Belafonte. Aber auch alte Radios, etwas Mode, altes Spielzeug oder Porzellan weckten das Interesse. "Das Schöne an dieser Veranstaltung ist, dass wir auch ganz viele neue Gesichter sehen", so Hess.

Fündig wurden auch Beate Heil und ihr Lebensgefährte Wolfgang Hennig. Sie erstanden ein Radio, "das hoffentlich noch funktioniert" aus dem Jahre 1968. "Ich bin nicht zum ersten Mal hier, ich habe im Museum bereits ein Grammophon gekauft. Darauf eine Schellack-Platte zu hören, ist einfach ein Traum", sagte die Kölnerin. "Was ich nicht wusste: Nachdem zwei Platten abgespielt worden sind, ist die Nadel stumpf. Aber Ersatz bekomme ich hier auch." Das neue alte Radio passe perfekt in ihre Einrichtung. "Ich arbeite seit 20 Jahren bei Media Markt, dennoch haben wir keine Technik zu Hause. Noch nicht einmal einen Fernseher", erzählte Beate Heil lachend. "Ich kann jedem erklären, wie man in die moderne Welt kommt, aber ich muss es nicht haben. Statt Facebook mache ich alles lieber ,face to face'." Sie sammlt auch alte Fahrräder, etwa von Miele, von 1936. "Unsere Ausfahrten unternehmen wir in passender Kleidung, mit Hut und Knickerbocker-Hosen. Ich liebe die alten Sachen und ihren Zustand", schwärmte sie. 25 Euro wanderten für das Radio in den Hut, ein toller Beitrag für den rund 30-köpfigen Förderverein des Internationalen Phono- und Radiomuseums, der "dafür sorgt, dass die laufenden Kosten des Museums bezahlt werden", wie Hess um mehr Mitglieder warb.

Unter den Trödlern waren auch Pianist Helmut Schiffers und seine Frau Florentine, die ein paar Schellack-Schätzchen fanden, unter anderem von Gilbert Bicaud. Sie machten sich die Smartphone-Technik zunutze, um dem Ziehsohn im fernen Berlin per Videotelefonie das Angebot zu zeigen. "Er wollte unbedingt einen alten Röhrenverstärker haben, das ist eine Rarität - aber hier heute leider nicht zu finden", sagte Schiffers bedauernd.

Quelle: NGZ
 
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