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Dormagen
Schüler gestalten Pogromgedenken

Dormagen: Schüler gestalten Pogromgedenken
Der Dormagener Musiker Sven Jungbeck gestaltete die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht auch in diesem Jahr mit einfühlsamen Liedern mit. FOTO: Berns
Dormagen. Mehr als 100 Menschen gedachten gestern Abend auf dem jüdischen Friedhof der Opfer der Shoa. Von Stefan Schneider

Zwischen den Grabsteinen von 39 jüdischen Dormagener Bürgern und Familien gedachten gestern Abend auf dem Friedhof an der Krefelder Straße mehr als 100 Menschen derjenigen, die in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und danach dem Vernichtungswillen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind. Das städtische Kulturbüro um Olaf Moll und der Partnerschaftsverein Dormagen-Kiryat Ono um Uwe Schunder hatten die Veranstaltung organisiert.

Bürgermeister Erik Lierenfeld gestand, mit einem beklemmenden Gefühl auf den jüdischen Friedhof gekommen zu sein. "Der Kloß im Hals ist noch etwas stärker, als das schon normalerweise bei dieser Gedenkveranstaltung der Fall ist", sagte er. Dies habe mit den politischen Veränderungen im Land zu tun, die sich in den jüngsten Wahlergebnissen und dem Einzug der AfD in den Bundestag widerspiegelten. Lierenfeld warf die Frage auf: "Was haben wir mit unseren Appellen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass in der Vergangenheit bewirkt?"

Der Bürgermeister äußerte Verständnis für wachsende Verunsicherung der Menschen angesichts von Terroranschlägen und Flüchtlingszustrom. Er sagte aber auch klar, was er nicht verstehen könne: Wutbürger, mit denen ein normales Gespräch nicht mehr möglich sei, dumpfe Parolen und die Hinwendung zu Politikern, die die Holocaust-Gedenkstätte in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichneten.

Mutmachende Zeichen gegen Rechtsradikalismus und Ausgrenzung setzten die jungen Teilnehmer der Veranstaltung. Michelle Spicknagel (Realschule Hackenbroich), Marcel Schneegans, Zina Gassner (Bertha-von-Suttner-Gesamtschule) sowie Benedikt Gläser, Marc Schneider und Elias Ackburally (Bettina-von-Arnim-Gymnasium) gestalteten die Feierstunde mit Musik- und Textbeiträgen mit und unterstrichen damit, dass sie bereit sind, die Erinnerung an die Gräuel des Dritten Reiches wachzuhalten. Umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung vom Dormagener Gitarristen Sven Jungbeck, der die Lieder "Jerusalem" von Steve Earl und "Die Gedanken sind frei" vortrug.

Quelle: NGZ
 
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