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Dormagen
Schule Burg verabschiedet heute Rektor Hans Reich

Dormagen. Was auf ihn heute zukommt, weiß Hans-Joachim Reich nicht. "Ich bin eingeladen", sagt der Rektor der Grundschule Burg Hackenbroich mit einem Lächeln. Seine Kollegen und sicherlich die Schulkinder sowie Gäste wollen den 66-Jährigen in den Ruhestand verabschieden. Eine Woche Schule folgt dann noch, ehe die Ferien beginnen und am 31. Juli eine 41 Jahre lange Schulkarriere endet. "Ich empfinde keine Wehmut", sagt Reich. "Ich höre auch keine Oldies. Vom Typ her bin ich nicht so, ich blicke nach vorne." Sein Fazit formuliert er rheinisch: "Wohlbefinden trotz Jedöns."

Mit Reich verlässt nicht nur ein ausgewiesener und sehr erfahrener Lehrer und Rektor die Schulszene, sondern auch ein Typ, der auf Gesprächspartner den Eindruck macht, er befinde sich im Dauer-Entspannungsmodus. Einer, der offen und mit Neugier in die Welt blickt - "ich bin ein toleranter Mensch", sagt er. Daher war der gebürtige Neusser auch zehn Jahre lang genau der richtige Rektor der Barbaraschule in der Quirinusstadt (wo er auch fünf Jahre lang für die CDU im Stadtrat saß) und ebenso die Idealbesetzung für die Schule Burg. Beides Schulen in einem schwierigen Umfeld, beide mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern. An der Barbaraschule erlebte Reich den Höhepunkt seiner Laufbahn: Als 2006 die Schließung der Schule drohte, ließen die Eltern aus Protest ihre Kinder mehrere Tage zu Hause, versteckten sie sogar in einem Freizeitpark vor den Behörden. Reich stand mit den Kolleginnen in der leeren Schule. "Eine starke Aktion, von der ich nichts wusste", so Reich. Aus seinem Lieblingsviertel an der Stadtgrenze zu Düsseldorf, in dem sein Vater 50 Jahre in einem Unternehmen an der Walze stand, wechselte Reich 2008 nach Hackenbroich. Auch diese Multikulti-Schule schloss er schnell in sein Herz, samt Eltern und Hausmeister. "Die Größe mit fast drei Mal mehr Schülern hat mir nur Freude bereitet." Weil immer wieder Schulleitungsstellen nicht besetzt werden konnten, leitete Reich zeitweise gleich drei Grundschulen: zusätzlich noch die Henri-Dunant-Schule in Delrath und die Theodor-Angerhausen-Schule. "Alles eine Sache der Organisation"- und der Einstellung: "Den Kollegen Verantwortung geben und ihnen vertrauen."

Am damaligen Schwann-Gymnasium in Neuss baute Reich sein Abitur, studierte an der Pädagogischen Hochschule und trat an der Geschwister-Scholl-Hauptschule Norf seine erste Lehrerstelle an. Als seine Ehefrau beruflich für zwei Jahre in die USA ging, spielte Reich gerne den Hausmann, kümmerte sich als Koch um Obdachlose und war Tutor in zwei Leistungsgruppen Deutsch an der Yale-University in New Haven. Er erhielt sogar die Auszeichnung "Excellent in Teaching".

Was folgt nun? "Eine Phase, in der ich nicht verantwortlich bin", sagt Reich. Gleichwohl würde er gerne seine reichhaltigen Erfahrung einbringen. Jetzt freut er sich aber erst einmal auf ausgiebige Wandertouren, Fahrten mit dem neuen Sport-Tourenrad und das gemeinsame Frühstück mit Ehefrau Doris.

(schum)
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