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Dormagen
Sekundarschule setzt auf Inklusion

Dormagen. Eine Expertengruppe hat ein umfangreiches Konzept erstellt, wie eine neue Sekundarschule aussehen soll – sofern die Dormagener Eltern sie wollen. Sie setzt auf langes gemeinsames und selbständiges Lernen. Ziel ist die Schule der Vielfalt. Von Klaus D. Schumilas

In den Osterferien werden nur Schüler und Lehrer eine Pause einlegen. In der Schulverwaltung hingegen wird gezählt und ausgewertet, dann steht das Ergebnis der Elternbefragung fest. Seit Mitte März wird abgefragt, ob eher eine neue Sekundarschule oder eine zweite Gesamtschule von den Eltern bevorzugt wird. Wie die Sekundarschule aussehen würde, das ist im Pädagogischen Konzept auf 40 Seiten nachzulesen. Vier Kernpunkte fallen auf: Eine der Hauptaufgaben wird das selbstgesteuerte Lernen sein; Lernen findet in "Lernateliers" statt; Ziel ist es, auch Türkisch als zweite Fremdsprache anzubieten; die Sekundarschule verpflichtet sich der Inklusion.

Wie das bei den Eltern der jetzigen Zweit- und Drittklässler ankommen wird, ist offen. Vor allem, weil das Ergebnis der Elternbefragung und das der tatsächlichen Anmeldung divergieren kann. Diese Erfahrung machte jetzt die Stadt Neuss. Dort votierten die Eltern in der Befragung (ohne Vorliegen eines Schulkonzeptes) überraschend zahlreich für die Sekundarschule, die daraufhin politisch auch beschlossen wurde. Dann aber wurden nur 69 statt der benötigten 75 Kinder angemeldet. Jetzt mehren sich in Neuss die Stimmen, die nach der vierten Gesamtschule rufen.

So weit ist man in Dormagen noch nicht, die Eltern können sich zunächst einmal über das pädagogische Konzept informieren. Über zwei Dutzend Schulexperten aus Verwaltung, Schule, Stadtelternrat und Integrationsrat haben in fünf Sitzungen die Grundzüge entwickelt. Das Leitbild hat sechs Eckpfeiler: Danach ist die Sekundarschule Dormagen eine Schule "der Vielfalt, der Wertschätzung, der Lernkultur, der Inklusion, der Zukunft und der Vernetzung". Sie zeichnet sich dadurch aus, das erklärte zuletzt bei der CDU-Zukunftswerkstatt der Stadtelternrats-Vorsitzende Hans-Jürgen Niehues, "dass die Kinder von Klasse fünf bis zehn gemeinsam in einem Klassenverband lernen". Darin gibt es laut Konzept "begabungsgerechte Angebote mit einer inneren Differenzierung".

Ab Klasse 5 steigen die Schüler mit dem selbstgesteuertem Lernen im Lernatelier ein. Dort wird für jeden Lerntyp das richtige Lernangebot bereitgestellt. Jeder Schüler soll die Möglichkeit erhalten, sich eigene Ziele zu setzen und den eigenen Lernprozess zu planen. Jeder Schüler führt ein "Logbuch". Neben der Planung der Lerninhalte dient es auch zur Dokumentation der Leistungsbewertung. Eltern bekommen einen Überblick über die Lernsituation des Kindes.

Ein anderes Stichwort ist "Gendergerechtigkeit". Damit ist die Chancengleichheit für Jungen und Mädchen gemeint. Für den Unterricht bedeutet dies, dass geprüft wird, welche Projekte oder Inhalte eher geschlechtsspezifisch oder gemischt erarbeitet werden. "Das bedeutet nicht das Ende der Koedukation", sagen die Mitglieder der Konzeptgruppe. Angepeilt wird langfristig neben Französisch auch Türkisch, Russisch oder Spanisch als Fremdsprache anzubieten.

Thema Inklusion: Zu Beginn der Sekundarschule werden bis zu fünf Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in eine etwa 20 Schüler große Lerngruppe aufgenommen. Es soll eine Kooperation mit der Schule am Chorbusch geben. Die Räume müssen den Erfordernissen der integrativen Lerngruppe Rechnung tragen, es soll einen separaten Raum zur äußeren Differenzierung geben.

(NGZ/ac)
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