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Dormagen
Sportklubs leiden unter Trainermangel

Dormagen: Sportklubs leiden unter Trainermangel
Die Judo-Abteilung des TuS Hackenbroich konnte den dringend benötigten Übungsleiter nicht finden. Der Verein verlor 49 Mitglieder. FOTO: TUS
Dormagen. Trotz finanzieller Unterstützung für Lehrgänge erklären sich tendenziell weniger Menschen in den Dormagener Vereinen bereit, sich zu Übungsleitern ausbilden zu lassen. Der TuS Hackenbroich musste sein Angebot reduzieren. Von Stefan Schneider

Dass Hans Sturm mit seinem Latein am Ende ist, kommt auch nicht oft vor. Doch an der Suche nach einem neuen Übungsleiter für die Judo-Abteilung biss sich selbst der rührige Vorsitzende des TuS Hackenbroich die Zähne aus. Die bittere Folge: Der TuS kann bis auf Weiteres in der Halle der Grundschule Burg nur noch zwei statt zuvor sechs Trainingsstunden anbieten. Die Judo-Abteilung verzeichnete 49 Austritte.

Joachim Fischer, Vorsitzender der knapp 1200 Mitglieder starken SG Zons, und Rainer Lisson, Vorstand Sport & Entwicklung beim TSV Bayer Dormagen (über 4000 Mitglieder), bestätigen, dass es schwierig ist, neue Übungsleiter zu gewinnen. "Die Lage ist immer angespannt", sagt Fischer, dem die Besetzung von Stellen vor allem in den Abteilungen Turnen und Leichtathletik nicht leicht fällt. Rainer Lisson berichtet, dass das Übungsleiterangebot besonders in den Bereichen Breiten- und Gesundheitssport nicht üppig ist - auch wegen der teilweise aufwendigen Ausbildung. Dennoch gelingt es beiden Vereinen bisher, den Bedarf zu decken, wenn auch oft mühsam.

Claus Radke, der Vorsitzende des Sportbundes Dormagen, weiß um die Probleme. In der Regel werden von den Vereinen zunächst Männer und Frauen aus den eigenen Reihen angesprochen, ob sie nicht eine entsprechende Ausbildung absolvieren möchten. Die Bereitschaft dazu aber sinkt. "Eine Hürde können auch die Kosten sein", sagt Radke. "Fachverbände verlangen teilweise stolze Beträge für die Grundausbildung." Der TuS Hackenbroich übernimmt alle Kosten - dennoch fand sich niemand. Auch der Sportverband Dormagen unterstützt die Vereine in Kooperation mit der VR Bank bei der Finanzierung von Übungsleiterausbildungen. 2014 wurden 24 Lehrgänge von Anwärtern aus Mitgliedervereinen im Verband mit einer vierstelligen Summe bezuschusst - quer durch die Sportarten. Allerdings: Mit einer Erhöhung der Zuschüsse ist nicht zu rechnen. Und damit, das gesamte Geld aus der eigenen Kasse zu nehmen, sind viele Clubs überfordert.

Die SSG Nievenheim ist zwar mit weit über 500 Mitgliedern kein kleiner Verein, muss aber auch aufs Geld achten. Festangestellte Übungsleiter kann sich die SSG nicht leisten. "Unsere Übungsleiter engagieren sich für kleines Geld praktisch ehrenamtlich", erzählt die Vorsitzende Kerstin Born. Vor einiger Zeit habe die SSG auch einen Engpass gehabt. "Aber der ist überwunden, wir sind momentan ganz gut aufgestellt", sagt Born. Sie hält die engen Bindungen in ihrem Verein für hilfreich. Man müsse auf die Mitglieder zugehen und aktiv den Kontakt suchen, glaubt Born.

Kerstin Born von der SSG Nievenheim setzt bei der Übungsleitersuche auf die engen Bindungen zu den eigenen Mitgliedern. FOTO: JAZYK

Die Unterstützung der Vereine durch Sportverband und Sponsoren zahlt sich ebenfalls aus. Rund 80 Prozent der in Dormagen tätigen Übungsleiter, deren Ausbildung bezuschusst wurde, seien längerfristig bei der Stange geblieben, berichtet Claus Radke. Das habe eine Überprüfung vor zwei Jahren ergeben.

Quelle: NGZ
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