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Erstaufnahmestelle in Dormagen
Stadt bringt 150 Flüchtlinge in Schulsporthalle unter

Erstaufnahmestelle in Dormagen: Stadt bringt 150 Flüchtlinge in Schulsporthalle unter
Die Stadt ließ die Sporthalle der Realschule an der Beethovenstraße provisorisch für die Flüchtlinge herrichten. FOTO: Tinter; Anja
Dormagen. Dramatische Stunden im Rathaus: Die Stadt hat Montag kurzfristig eine Erstaufnahmestelle des Landes für Flüchtlinge einrichten müssen. Bürgermeister Lierenfeld bittet Anwohner um Unterstützung.

Um 11.42 Uhr erhielt die Stadtverwaltung von dem stellvertretenden Regierungspräsidenten Roland Schlappka die Benachrichtigung, dass rund 150 Flüchtlinge ab 20 Uhr aus Dortmund mit Bussen nach Dormagen kommen werden.

"Die allgemeine Notsituation bei der Unterbringung der Menschen macht diesen besonderen Hilfebeitrag erforderlich", sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld. Bislang lag die Zahl der Flüchtlinge bei 368.

Entgegen bisherigen Äußerungen, wonach eine Unterbringung in Sporthallen nicht in Frage kommt, sah sich die Stadt gestern gezwungen, angesichts der zeitlichen Dramatik und der großen Zahl an Flüchtlingen, davon abzuweichen. Dazu Lierenfeld: "Eine dezentrale Unterbringung wie bisher in den städtischen Notunterkünften und angemieteten Wohnungen ist bei dieser zusätzlichen Personenzahl, die wir nun für das Land Nordrhein-Westfalen betreuen, in der Kürze der Zeit nicht möglich." Daher nutzt die Stadt vorübergehend die Sporthalle der Realschule an der Beethovenstraße als Erstaufnahmestelle. "Sie ist von der Lage und den vorhandenen Nutzungen her am besten geeignet", so begründet die für das Gebäudewesen zuständige Beigeordnete Tanja Gaspers die Entscheidung.

In Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen richtet ein Einsatzstab der Verwaltung in der Sporthalle derzeit mit Hochdruck alles für die Beherbergung der Flüchtlinge her. So ist es dem Deutschen Roten Kreuz gelungen, kurzfristig 150 Betten vom Landesverband Hessen zu organisieren. Auch ein warmes Abendessen und Frühstück konnten vom DRK binnen weniger Stunden sichergestellt werden. "Alle haben gemeinsam das Ziel, die Flüchtlinge trotz der räumlichen Enge so human wie möglich unterzubringen. Dazu gehören auch Raumteiler, die wir schnellstmöglich beschaffen wollen", so der Bürgermeister. In der Sporthalle wird derzeit Teppich ausgelegt. Auch zusätzliche sanitäre Anlagen werden bis zur Ankunft der Flüchtlinge vorhanden sein. Dormagen ist zum ersten Mal und unerwartet wegen der großen Zahl an Flüchtlingen, die ins Land kommen, zu einer zentralen Erstaufnahmestelle geworden. "Wir gehen davon aus, dass die meisten dort rund drei Wochen bleiben werden", sagt Stadtsprecher Harald Schlimgen. "Für den Schulsport und die Sportvereine werden wir Lösungen finden."

Die Anwohner der Realschule, die am Abend per Flugblatt informiert wurden, bittet der Bürgermeister um Verständnis. "Bitte unterstützen auch Sie uns dabei, die Menschen in ihrer Notsituation nicht allein zu lassen und helfen Sie den Flüchtlingsfamilien, wenn diese beispielsweise nach dem Weg zu bestimmten Einrichtungen fragen", appelliert Lierenfeld. Für Fragen der Bürger hat die Stadt eine Hotline unter 02133 257-600 eingerichtet.

(schum)