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Stadtporträt Dormagen
Chemiestandort und alte Zollfeste

Dormagen - Sightseeing in Bildern
Dormagen - Sightseeing in Bildern FOTO: Linda Hammer
Dormagen. Dormagen, eine der größten Städte im Rhein-Kreis Neuss, hat über 63.000 Einwohner, die in insgesamt zwölf Stadtteilen leben. Wirtschaftlich ist die Stadt vor allem durch die Chemiebranche geprägt. Von Jacqueline Sachse

Das Kulturangebot erstreckt sich von der städtischen Musikschule bis zum Theater. Besonderes Highlight sind dabei die Aufführungen, die im Sommer auf der Freilichtbühne in Zons angeboten wird.

Nicht nur deswegen ist der Stadtteil Zons, der im 14. Jahrhundert von Erzbischof Friedrich von Saarwerden gegründet wurde und damals als kurkölnische Zollstadt fungierte, ein touristischer Magnet. Heute lockt die Feste Zons - unter Kennern auch das „rheinische Rothenburg“ genannt - jährlich rund eine Million Besucher an, welche die gut erhaltenen mittelalterlichen Mauern und Türme oder die alte Mühle besichtigen wollen.

Daneben kann Dormagen auch noch einen der eindrucksvollsten Sakralbauten des Landes – die vor 850 Jahren erbaute romanische Doppelchor-Basilika in Knechtsteden – aufweisen. Diese bietet, auf einer leichten Anhöhe inmitten von Wald und Obstgärten gelegen, einen schönen Anblick.

Wer nach dem kulturellen Programm Entspannung sucht, kann diese in der Rheinaue oder bei einem Spaziergang durch die mit rund 233 Hektar größte Fläche an Laub- und Nadelholz im Rhein-Kreis finden, die auch gerne von den rund 55 Sportvereinen zum Ausdauertraining genutzt wird. Auch der Geo-Park und das Wildgehege Tannenbusch im Ortsteil Delhoven laden zu einem Besuch ein.

Gut entwickelt hat sich die 1988 eingeweihte Fußgängerzone, die inzwischen mit ihren Einkaufsangeboten und zahlreichen Gaststätten, Restaurants und Cafes zum Bummeln und Verweilen einlädt. Dazu trägt unter anderem die 1995 eröffnete Rathaus-Galerie bei, die - komplett mit Glas überdacht - einen weiteren Akzent in der Fußgängerzone setzt.

Das Herz der Stadt bildet seit 1996 das neue Rathaus, während das restaurierte historische Rathaus nur noch zu repräsentativen Anlässen und Trauungen genutzt wird. Auf dem Rathausplatz finden hingegen regelmäßig Märkte und Volksfeste statt.

Das Multifunktionscenter am Rande der Stadtmitte mit sieben Kinosälen, einer Diskothek, einem Fun- und Bowlingcenter und Parkmöglichkeiten bietet den jüngeren Bewohnern der Stadt eine Möglichkeit zur Freizeitgestaltung.

Die Geschichte

Vielfältige Spuren menschlicher Ansiedlung im Bereich der heutigen Stadt Dormagen finden ihre Wurzeln schon in der Steinzeit. Doch die eigentliche Entwicklung beginnt erst in der Römerzeit, in der Dormagen bis zum Rückzug der Römer zwischen 393 und 402 nach Christus als römisches Kastell und Lager dient. Zwischen den Jahren 50 und 160 nach Christus besteht in Dormagen ein größeres römisches Militärlager. Es teilt die Wegstrecke zwischen dem römischen Hauptort Köln und der Siedlung in Neuss in zwei Tagesmärsche. Das Lager befindet sich im Bereich des heutigen Historischen Rathauses an der Kölner Straße.

Das Mittelalter

Danach sind es die Franken, die sich in Dormagen niederlassen und 796 Nievenheim zu ihrer Gauhauptstadt ("Pagus") erklären.

Im 11. bis 13. Jahrhundert entstehen auch andere Orte wie Zons, Delhoven, Gohr oder Hackenbroich. Von kriegerischen Auseinandersetzungen bleibt das heutige Stadtgebiet in dieser Zeit nicht verschont. So wird 1288 die blutige Schlacht von Worringen um die Grenze zwischen den Herrschaftsgebieten von Jülich-Berg und Kurköln ausgetragen. Zons wird fast komplett zerstört. Doch das mittelalterliche Städtchen wird neu aufgebaut und 1372 von Erzbischof Friedrich von Saarwerden zur Zollstation für die Fluss-Schifffahrt erklärt. Zur Sicherung seiner Zollstelle erhebt er Zons zur Stadt und errichtet in weniger als zwanzig Jahren eine im Grundriss bis heute erhaltene, von festen Mauern umwehrte und durch eine rheinische Landesburg (das heutige Schloss Friedestrom), gesicherte Stadt.

Die Neuzeit

Ende des 18. Jahrhunderts reitet die französische Besatzung in Dormagen und Zons ein. Die Folge: Das Kloster Knechtsteden wird geplündert. Dormagen und Zons gehören fortan zum Departement Roer und sind Bestandteil des französischen Staates. Nach dem Wiener Kongress 1815 gelangen die Rheinlande zur preußischen Monarchie.

Die Industrialisierung beginnt in Dormagen mit der ersten Kampagne der Zuckerfabrik 1864. Im Jahr 1895 kommt eine Brauerei hinzu. Doch der Durchbruch zum Industriestandort gelingt erst 1916 mit der Ansiedlung des Bayer-Werkes, die Dormagens Entwicklung von einem typischen rheinischen Straßendorf zur Industriestadt und Mittelzentrum nach sich zieht.

Dormagen im Nationalsozialismus

Im erzkatholischen Dormagen (über 90% katholische Bevölkerung) tun sich die Nazis vor 1933 schwer und können nur bescheidene Erfolge verbuchen. Dies ändert sich aber mit Hitlers Machtergreifung tiefgreifend. Auch in Dormagen beginnen bereits Anfang 1933 Pogrome vor jüdischen Geschäften.

Auch die Zwangsarbeit spielt in Dormagen eine große Rolle. Bedingt durch ein großes Lager auf dem Gebiet der I.G. Farben-Fabriken (ehemals und heute "Bayer") schätzt man das Verhältnis der deutschen Bürger zu Zwangsarbeitern auf 2:1. Das Phänomen der Zwangsarbeit bleibt dennoch auch in Dormagen bis Anfang der 90er Jahre vergessen.

Die Entwicklung bis heute

Nach dem Ersten Weltkrieg besetzen verschiedene alliierte Truppen die Stadt, 1945 marschieren die Amerikaner in Dormagen ein. Es leben 1950 knapp 9.000 Einwohner in der Gemeinde Dormagen, 1962 zählt das Amt Dormagen schon 20.000 Einwohner.

Sieben Jahre später, also 1969, erfolgt der Zusammenschluss von Dormagen und Hackenbroich zur Stadt Dormagen, damit erhält das Amt Dormagen endlich Stadtrechte. Die heutige Stadt entsteht dagegen im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975, die Städte Dormagen und Zons sowie das Amt Nievenheim werden zur neuen Stadt Dormagen zusammengefasst. Zu Beginn des Jahres 2000 wohnen rund 62.300 Einwohner im Stadtgebiet.

(NGZO)
 
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