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Dormagen
Stadt rechnet mit mehr Flüchtlingen

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Dormagen. Im Jugendhilfeausschuss wurde klar, dass auch die eventuelle Landesaufnahmestelle für 800 Flüchtlinge am Wahler Berg auf Dauer nicht reicht. Die Stadt rechnet mit weiterer Notunterkunft. Asylbewerber ziehen in altes SVGD-Gebäude. Von Carina Wernig

Wie viele Flüchtlinge wirklich bis Ende des Jahres nach Dormagen kommen, ist nicht vorhersehbar. "Wir gehen heute von 700 Flüchtlingen bis 1. Januar 2016 aus", erklärte Bürgermeister Erik Lierenfeld gestern in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses zur Flüchtlingsthematik.

"Wir werden mehr Flüchtlinge aufnehmen", gab Lierenfeld seine Einschätzung nach Gesprächen mit der Bezirksregierung, die auch die erste Aufnahmestelle angewiesen hatte, wider: "Da wird die jetzige Notunterkunft an der Beethovenstraße sicher nicht ausreichen, ich rechne damit, dass wir in Dormagen eine weitere solche Aufnahmestelle einrichten müssen - hoffentlich aber mit mehr als acht Stunden Vorlauf", sagte er.

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Seit dem letzten Bericht am 12. Mai wohnen 67 mehr Flüchtlinge in Dormagen, wie Wiljo Katers, Leiter des städtischen Bereichs "Soziales Wohnen", erklärte: 380 Asylbewerber leben in vier Wohnheimen und 15 angemieteten Wohnungen, 144 Flüchtlinge in der Notunterkunft. Die 524 Flüchtlinge seien ein "Allzeithoch" seit 1998. Sie stammen vor allem aus Albanien, dem Kosovo, Mazedonien, Afghanistan und Syrien. Der Bürgermeister warnte vor Kategorisierung und der Anmaßung, über den Fluchtgrund zu urteilen: "Keiner macht das freiwillig. Die Menschen wollen ihr Überleben und das ihrer Kinder sichern."

Ein Ausweichquartier steht kurz vor der Realisierung: Das Ex-Bürogebäude der SVGD im Kirschfeld in Delrath soll 30 dauerhaft hier lebende Asylbewerber beherbergen. "Wir suchen weiter nach geeigneten Gebäuden", wies Lierenfeld auf die "Task Force" hin, die Hinweisen auf Unterkünfte nachgeht. Nicht dazu zähle das stadteigene Gebäude an der Frankenstraße. Zum immer wieder genannten Bayer-Hochhaus mit Platz für 208 Personen sagte Lierenfeld: "Wir sind in Gesprächen, aber noch gibt es keine Lösung."

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Jetzt wünscht sich die Verwaltung in der Ratssitzung am 17. September den politischen Auftrag, weiter mit dem Land über eine zentrale Landesaufnahmestelle für bis zu 800 Flüchtlinge am Wahler Berg zu verhandeln. Dort besitzt das Land ein Gelände von 3,6 Hektar, das die Stadt kaufen an das Land vermieten würde. Der Bürgermeister betonte, dass sich die voraussichtlichen Kosten von 15 bis 25 Millionen Euro durch den Mietzins in den 15 bis 20 Jahren Vertragslaufzeit mehr als amortisiert haben würden. "Durch eine zentrale Landesaufnahmeeinrichtung würden uns Notunterkünfte in Turnhallen oder Zeltstädte erspart", sagte Lierenfeld.

Ausschussvorsitzender Jo Deußen (CDU) kündigte an, sich mit seine Fraktion heute im Hauptausschuss dafür einzusetzen, den Verhandlungsauftrag der Stadt auf eine Aufnahmestelle zu beschränken: "Für länger bleibende Flüchtlinge in einer zentralen Unterbringung ist das Gebiet völlig ungeeignet." Diese reinen Erstaufnahmestellen werde es jedoch nicht mehr geben, wie Lierenfeld aufklärte: "Landesunterkünfte neuer Prägung sind einerseits Erstaufnahmestellen für die Flüchtlinge mit medizinischer Untersuchung und Registrierung und andererseits auch eine zentrale Unterbringung - allerdings auch das nur für höchstens vier Wochen." Auf dem Gelände würde neben Unterkünften "in vielen verschieden großen Gebäuden" auch ein Kiosk, die medizinische Versorgung und auch Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie der Ausländerbehörde Platz finden. Die konkreten Aufgaben der Einrichtung müssten dann in Gesprächen zwischen der Stadt und dem Land noch geklärt werden.

Quelle: NGZ
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