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Dormagen
Stadt testet innovatives Pflaster für reinere Luft

Dormagen: Stadt testet innovatives Pflaster für reinere Luft
Thomas Wedowski von den Technischen Betrieben zeigt an der Kreiselbaustelle in Nievenheim zwei der eher unscheinbar wirkenden "Wundersteine". FOTO: Tinter
Dormagen. Am neuen Kreisverkehr in Nievenheim werden Steine eingebaut, die die Belastung mit gesundheitsschädlichen Stickstoffoxiden verringern. Von Stefan Schneider

Pflastersteine, die die Luft reinigen? Klingt ein bisschen nach Hokuspokus-Scharlatanerie, doch weit gefehlt: Dass mithilfe der von der Kölner Firma Berding Beton gelieferten Straßenbeläge ein solcher Effekt zu erzielen ist, hat das renommierte Fraunhofer-Forschungsinstitut nach eingehenden Untersuchungen bestätigt. Gesundheitsgefährdende Stickstoffoxide in der Luft würden dank des Produktes nachweislich reduziert. Die Stadt Dormagen will sich dies zunutze machen und lässt die innovativen Steine zurzeit am noch im Bau befindlichen neuen Kreisverkehr in Nievenheim (Neusser Straße/Straberger Weg) einsetzen. Ein Gehweg in Richtung Salvatorstraße wird auf einer Länge von 135 Metern mit dem neuartigen Material bestückt.

"Man sieht den Steinen ihre Besonderheit nicht an", erklärt Bauleiter Thomas Gruteser von den Technischen Betrieben Dormagen (TBD). Die eher unscheinbaren Betonquader sind mit Nano-Partikeln aus Titandioxid beschichtet. In Verbindung mit Sonnenlicht (Photokatalyse) wandelt diese Oberfläche schädliche Stickstoffoxide in Nitrate um. Der große Vorteil dabei: Im Gegensatz zu den Stickstoffoxiden sind die Nitrate wasserlöslich und können mit dem Regenwasser abgeführt werden.

Das Fraunhoferinstitut kam bei seinen Überprüfungen laut Stadt Dormagen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Stickstoffoxide in einer Höhe von bis zu drei Metern über dem Pflaster um rund 20 Prozent gesenkt werden könne. Die Firma Berding nennt in ihrem Prospekt zu den AirClean-Steinen, so der Name des Produktes, nachgewiesene Reduktionsraten von bis zu 18 Prozent bei Stickstoffdioxid und bis zu 29 Prozent bei Stickstoffmonoxid. Bei Windstille ließe sich sogar eine Stickstoffdioxid-Senkung um bis zu 70 Prozent erreichen, heißt es dort weiter. "Die mit den Steinen erzielten Ergebnisse bedeuteten auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung der Luftqualität", urteilt TBD-Bauleiter Gruteser.

Er könne sich vorstellen, dass es in Dormagen nicht beim Einsatz am neuen Kreisel in Nievenheim bleibt. Für die Pflasterung mit den Luftreinigern kämen in Zukunft durchaus weitere Gehwege im Stadtgebiet in Frage - in erster Linie solche an stark befahrenen Straßen. "Dort ist der Effekt am größten", sagt Gruteser. Einen Haken hat die Sache allerdings, wie Grutesers TBD-Kollege Thomas Wedowski auf Anfrage bestätigt: "Während ein Quadratmeter Pflasterung mit gewöhnlichen Steinen circa zehn bis zwölf Euro kostet, muss man bei den Schadstoffsenkern mit 15 bis 20 Euro pro Quadratmeter kalkulieren."

Für die Verkehrsteilnehmer in Nievenheim deutet sich unterdessen Licht am Ende des Tunnels an. Wedowski stellte in Aussicht, dass die wegen der Kreiselbaustelle eingerichtete Umleitung ortseinwärts über den Kohnacker voraussichtlich in zwei Wochen aufgehoben werden kann. Demnach könnte der Verkehr nach dem 13. April auf der Neusser Straße wieder in beide Richtungen fließen. Eine Garantie dafür gebe es aber noch nicht, betonte Wedowski.

Quelle: NGZ
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