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Dormagen
Stadt verbessert mit fairem Handel ihr Image

Dormagen: Stadt verbessert mit fairem Handel ihr Image
Karin Altemeier gehört zu den gut zwei Dutzend ehrenamtlichen Helfern, die im Weltladen an der "Kö" fair gehandelte Produkte verkaufen. FOTO: anja tinter
Dormagen. Dormagen bewirbt sich bei TransFair Deutschland um das Siegel als Fairtrade-Stadt. Fünf Kriterien müssen dazu erfüllt werden. Von Klaus D. Schumilas

Einen kleinen Schritt in Richtung einer Stadt, die ein Zeichen für eine gerechtere Welt setzen möchte, gehen die Lokalpolitiker schon seit geraumer Zeit. Immer wenn sie zu Sitzungen des Stadtrates oder des Hauptausschusses zusammenkommen und sich eine Tasse Kaffee einschenken, dann trinken sie ein fair gehandeltes Produkt. Und genau das fordert TransFair unter anderem. Jetzt soll der Planungs- und Umweltausschuss am Donnerstag die offizielle Teilnahme an der "Fairtrade-Towns-Kampagne" beschließen. Aus Sicht der Stadt, auf diesem Weg auch eine erhöhte Medienpräsenz und vor allem eine Imageverbesserung zu erreichen.

Fünf Kriterien müssen erfüllt sein, um zunächst einmal für zwei Jahre Fairtrade-Stadt zu werden. Neben der Verwendung von Fairtrade-Kaffee und einem weiteren fairen Produkt in den politischen Sitzungen wird als zweite Forderung eine lokale Steuerungsgruppe gewünscht, die die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Drittens müssen in mindestens 13 Einzelhandelsgeschäften und sieben Gastronomiebetrieben Fairtrade-Produkte angeboten werden. Da mittlerweile alle Discounter auch fair gehandelte Produkte anbieten, sieht die Stadt in diesem Punkt keine Hürde. Aber: "Bei den Gastronomiebetrieben ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Dort liegt das größte Problem", sagt Manfred Zingsheim aus dem Umweltteam der Stadt. Leichter zu erfüllen ist das Kriterium, wonach in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen Fairtrade-Produke verwendet und dort Bildungsaktivitäten zu diesem Thema stattfinden. Punkt fünf fordert schließlich ein Mindestmaß an Medienberichterstattung auf dem Weg von Dormagen zur Fairtrade-Stadt. Zingsheim ist "sehr optimistisch", dass alle Vorgaben erfüllt werden können. Die Zielmarke ist klar: "Dieses Jahr wollen wir das Siegel haben."

Die Absicht ist lobenswert, aber es gibt auch kritische Stimmen. Eine gehört Manfred Puchelt, Motor des Welt-Ladens an der Kölner Straße. Er sieht das Wirken von TransFair "differenziert" und spricht von einer "Siegel-Verkaufsfirma". Puchelt: "Im Grundsatz ist es natürlich eine Verbesserung und es ist gut, wenn auf diesem Weg geholfen wird, dass in Dritte-Welt-Ländern anständige Löhne gezahlt werden und die Kinderarbeit möglichst gering ist." Aber an der Stringenz von fair gehandelten Produkten hapere es, weil Kriterien aufgeweicht würden. Gerade bei Mischprodukten betrage der tatsächlich fair gehandelte Anteil oftmals nur einige Prozent. "Die Standards zum Beispiel bei Keksen oder Schokolade wurden von 50 auf 20 Prozent reduziert." Der Begriff "fair" werde so verschleudert, sagt er.

Für Rüdiger Westerheide, der in der letzten Ausschuss-Sitzung mehr Zeit für eine solide Recherche zu dem Thema eingefordert hatte, geht es um mehr als den Titel: "Dazu gehören Aktionen, um die Bürger zu informieren. Wenn wir hier einen Weltladen haben, sollte auch lokal gekauft werden." Vom geladenen Experten Harald Vieten (Rhein-Kreis) möchte er auch erfahren, was tatsächlich dran ist am fairen Handel und wie sich der Verbraucher sicher sein kann, ein fair gehandeltes Produkt zu kaufen.

Quelle: NGZ
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