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Dormagen
Stadt: Wohnungen für Flüchtlinge zügig bauen

Dormagen: Stadt: Wohnungen für Flüchtlinge zügig bauen
Elektriker Sven Liemann auf der Baustelle des Investors Cobau (Düsseldorf) an der Sophie-Scholl-Straße in Delhoven. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. In Dormagen gibt es zu wenige öffentlich geförderte Wohnungen. Die Flüchtlingswelle hat die Situation verschärft. Die Stadt sucht Standorte. Von Klaus D. Schumilas

Noch vor einem guten halben Jahr bestand aus Sicht der Stadtverwaltung keine Notwendigkeit, in Dormagen mehr Wohnungen für Einkommensschwächere zu bauen. Im November 2014 hatte die Fraktion Piraten/Die Linke eine Anfrage zu preisgünstigem Wohnraum gestellt. Recherchen der Verwaltung ergaben im Sommer "keinen unmittelbaren Handlungsbedarf". Das hat sich, sagt Erster Beigeordneter Robert Krumbein, durch den starken Zuzug von Flüchtlingen spätestens seit der zweiten Jahreshälfte deutlich geändert. Die Folge: Dormagen benötigt jährlich rund hundert neue öffentlich geförderte Wohnungen. Ob die Fördermittel von Bund und Land dafür reichen, bezweifelt Krumbein. Gleichwohl soll der Wohnungsbau jetzt zügig angeschoben werden. In der Sitzung des Planungsausschusses am 18. Februar will die Verwaltung Flächen vorstellen, die bebaut werden könnten.

Nach Auskunft der Stadt gibt es aktuell 1183 Wohnungen mit sozialer Bindung in Dormagen. Registriert sind bei der Verwaltung etwa 180 Sozialwohnungssuchende. Diese Zahl wird sich dramatisch verändern, weil nach aktueller Prognose bis zum Jahresende etwa 1300 zugewiesene Flüchtlinge auf den Wohnungsmarkt drängen. "Ihre Bleibeperspektive ist langfristig. Eine Neubewertung und eine Strategie zur Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum ist daher dringend erforderlich", sagt Krumbein. Diese Empfänger von Sozialleistungen haben dann einen Anspruch "auf eine vernünftige Unterkunft". Für die nächsten Wochen will die Verwaltung weitere Gespräche mit den Akteuren des Dormagener Wohnungsmarktes führen, um auf der Basis der zwischenzeitlich verbesserten Förderbedingungen heraus zu finden, wie die Bereitschaft ist, preiswerte Wohnungen zu bauen.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Jetzt geht es in der nächsten Stufe darum, eine städtebaulich gute Lösung zu finden. "Zusammen mit der Stadtplanung suchen wir potenzielle Flächen für preiswerten Geschosswohnungsbau." Ein fertiges Konzept gebe es noch nicht, die Dynamik bei diesem Thema sei groß. Im Baugebiet Nievenheim IV wird eines der beiden dort vorgesehenen großen Mietshäuser für öffentlich geförderte Wohnungen reserviert sein. Auch derartige Reiheneigenheime seien vorstellbar.

Reserviert zeigt sich Krumbein, was die Überlegungen des Rhein-Kreises zur Gründung einer kreisweiten Wohnungsbaugesellschaft betrifft. Er sagt: "Mit der Baugenossenschaft Dormagen haben wir einen starken und erfahrenen Partner, der unsere erste Priorität genießt." Erst danach würde diese Idee des Landrates interessant. "Zudem gibt es auch die Möglichkeit, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen." Einen interessanten Gedanken bringt der Bürgermeister-Stellvertreter ein, angeregt durch die Äußerung des Aufsichtsratsmitgliedes des mächtigen Neusser Bauvereins: Ex-Landtagsabgeordneter Heinz Sahnen (CDU) kann sich vorstellen, dass das kommunale Unternehmen sich auch außerhalb der Neusser Stadtgrenze betätigt. Krumbein: "Wir haben kein Problem damit, wenn der Neusser Bauverein uns ein gutes Angebot macht."

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Quelle: NGZ
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