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Dormagen
Stadtrat prüft Dorfladen für Gohr

Dormagen. Der Rat hat mit großer Mehrheit eine Basisanalyse beauftragt. Die soll klären, ob es sinnvoll ist, ein "DORV-Zentrum" im Stadtteil Gohr zu eröffnen. Die Bürger sollen eng miteinbezogen werden, damit das Konzept aufgehen kann. Von Carina Wernig

Lebensmittel einkaufen um die Ecke, dazu Dienstleistungen erledigen und sogar Betreuung erfahren - das alles soll ein "DORV-Zentrum" in Gohr in Zukunft sicherstellen. Denn dass es für Gohr die "letzte Möglichkeit" ist, auf lange Sicht eine Nahversorgung im Ort zu gewährleisten, darüber waren sich die meisten Ratsmitglieder grundsätzlich einig. Daher stimmten sie alle, bis auf die beiden FDP-Vertreter, für die Basisanalyse, mit der nun genau geprüft werden soll, ob im Bergdorf die Voraussetzungen dafür passen.

Dafür werden 15.000 Euro in den Haushalt 2017 eingestellt. "Wenn das Projekt wirtschaftlich ist, wird es eine große Bürgerversammlung geben. Die Gohrer sind es auch, die dann mitziehen müssen", erklärte Christian Klems, "DORV"-Geschäftsführer, der die Funktionsweise der Läden im Stadtrat anschaulich schilderte. Etwa 25 bis 30 Prozent ihrer Kaufkraft müssten die Gohrer im "DORV-Zentrum" lassen - "da ist auch der Sonderangebots-Kauf im Discounter drin", so Klems.

Die Mitarbeit der Bürger, die eigene Ideen, Bedürfnisse, Anregungen, aber auch Kritik äußern sollen, wird nötig sein, damit sich das "DORV-Zentrum" auf rund 100 Quadratmetern entwickeln kann. Denn sie bestimmen das Angebot an Dienstleistungen und Waren, das sie auch nutzen sollen: Reinigung, Pflegedienst, Sozial-Beratung oder Café-Treffen und Hol-Service.

Das machte Klems deutlich: "Wenn die Nahversorger schließen und keiner nachrückt, müssen wir die Versorgung selbst in die Hand nehmen, wenn wir auch im Alter noch fußläufig Lebensmittel einkaufen und Dienstleistungen erhalten wollen." Das "DORV-Zentrum" soll alles unter einem Dach bieten. Er stellte vor, wie ein Laden aussieht, in dem die Lebensmittel in einem großen offenen U angeordnet sind - und die Verkäufer, die Fachpersonal sein sollten, kümmern sich um den Einkauf ebenso wie um die Postausgabe, die Vermittlung von Betreuungsangeboten oder die Neuzulassung eines Wagens. "Wir arbeiten mit regionalen Anbietern zusammen: Bauern, Metzgern, Bäckern", sagte Klems, der betonte, dass das "DORV-Zentrum" eben keine Konkurrenz für die bestehenden Anbieter, sondern eine Ergänzung sein soll: "Vielleicht gelingt eine enge Zusammenarbeit mit Bäckern oder Metzgern, die dort mit einsteigen möchten und zusätzlich dort ihre Ware anbieten." Es gehe um Qualität und kurze Entfernungen: "Da ist die Regionalität unschlagbar", so der "DORV"-Projektleiter, der von 16 erfolgreichen Zentren berichtete.

Um alle mit ins Boot zu holen, gäbe es die Möglichkeit, dass Bürger Anleihen kaufen, um für 50 bis 200 Euro dann einen Teil des Zentrums als eigenen zu betrachten, so Klems. Auch Handwerker haben bei anderen "DORV-Zentren" den Umbau kostenlos erledigt. "Wir machen 490.000 Euro Umsatz im Jahr", wies Klems auf das erste Zentrum in Barmen bei Jülich hin, das vor zwölf Jahren etabliert wurde.

Falls die Basisanalyse ergeben sollte, dass es sich in Gohr wirtschaftlich nicht rechnet, würden weniger als 15.000 Euro benötigt.

Quelle: NGZ
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