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Christuskirche Dormagen
Streitbares Werk, inspirierte Aufführung

Dormagen. Luther und die Reformation ist in aller Munde. Ein guter Anlass, dachten sich wohl der Pop-Kirchenmusik-Spezialist Matthias Nagel und Texter Dieter Stork und haben gemeinsam ein sogenanntes "Lied-Oratorium" mit dem Titel "Gaff nicht in den Himmel" geschaffen. Von Christian Oscar Gazsi Laki

"Martin Luther - Reformation heute" - so das Motto dieses bunt gemischten Werkes, dass neben großem Chor und recht kompaktem Instrumentalensemble zwei Gesangssolisten und Sprecher auf die Pfade Lutherschen Wirkens und Denkens lenken möchte.

"Szenengespräche", die Luthers Biografie und Lehren beleuchten, wechselten sich bei der Aufführung in der Christuskirche ab mit teilweise chorisch, teilweise solistisch oder gemischt gesetzten Stücken. Musikalisch lebt das Werk aus einer Mischung aus leichtem gefälligen Kirchen-Pop, ein bisschen Neo-Orff, Musical-Stil - mal mit Anklängen an renaissancehafte Klangvorstellungen durch Vermischung mit lutherschem Liedgut. Es brechtet und weillt zuweilen aber auch gehörig. Man orientiert sich immer wieder an politischem Liedgut. Das liegt auch an den Texten, die versuchen Luthers kritischen Geist auf heutige Zustände zu übersetzen, dabei jedoch bisweilen Frustrationen des Autors zu transportieren scheinen: "Sie singen uns im großen Politchor die übelsten der Litaneien vor." Sehr politisch wird es also und dann auch mal etwas bigott. Dabei gibt es anrührende Momente, in denen es um christliches Fühlen und Handeln geht, die aber durch teilweise doch arg eindimensionale - gereimte - Texte überdeckt werden. Man kann das zwar alles mögen, im Endeffekt ist es aber streitbar.

Was nicht streitbar ist, war die große Hingabe und die Lust am Musizieren - insbesondere beim Chor - mit der das Werk aufgeführt wurde. Unter Leitung Karl-Georg Brumms mit zahlreichen Chören aus der Umgebung - aus Dormagen der "18:00-Uhr-Chor" und der Chor "Unisono" - machte man aus dem Lied-Oratorium ein Fest gelebter Sing- und Spielfreude. Constanze Schumacher (Alt) und Sebastian Neuwahl (mit überzeugendem Bariton) unterstützten. Als eindrucksstarke Sprecher wirkten Elisabeth Margraf und Hans Lücke. Begeisterung im Publikum gab es reichlich, was beweist, dass eine inspirierte Aufführung auch ein problematisches Werk retten kann.

Quelle: NGZ
 
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