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Dormagen
Student hilft bei der Flüchtlings-Betreuung

Dormagen: Student hilft bei der Flüchtlings-Betreuung
FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Er ist 22 Jahre, ist bei den Dormagener Maltesern aktiv und studiert Rettungsingenieurwesen. Jetzt hilft Martin Euler in der Notunterkunft. Von Anneli Goebels

Rettungshelfer bei den Maltesern ist er bereits, die Ausbildung zum Rettungssanitäter macht er gerade. Außerdem studiert er an der Fachhochschule Köln Rettungsingenieurwesen und arbeitet nebenbei bei den Kölner Maltesern im Hausnotruf. Ganz schön engagiert ist Martin Euler, und nun hat der 22-Jährige eine neue Aufgabe: In der Notunterkunft an der Beethovenstraße kümmert sich der Nievenheimer mit um die Flüchtlinge.

"Ich habe gerade Semesterferien und Zeit, hier zu helfen", sagt Euler. Die Namen der neu ankommenden Flüchtlinge mit aufzunehmen, sie mit einem "Erstpaket" mit Zahnpasta, -bürste, Shampoo, Duschgel und anderen Hygiene-Artikeln zu versorgen, ihnen zu zeigen, wo sie schlafen und duschen können, gehört zu seinen Aufgaben. Ebenso dafür zu sorgen, dass die Termine für die Erstuntersuchungen eingehalten werden und dass die Fahrten zum Krankenhaus klappen, wo die Flüchtlinge geröntgt werden. "Das Schwierigste ist die Verständigung", sagt er. Oft funktioniere die nur mit Zeichnungen oder aber mit Händen und Füßen.

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Martin Euler macht sein Einsatz in der Notunterkunft Spaß, weil er Menschen gerne hilft. Deshalb hat er sich vor vier Jahren entschieden, zu den Maltesern zu gehen. Alle 14 Tage besetzen die einen Rettungswagen der Stadt Dormagen. Da ist der 22-Jährige auch oft dabei. Doch dieser Dienst ist für ihn schon "irgendwie anders" als der augenblickliche in der Notunterkunft. "Oft komme ich auch hierhin, wenn ich offiziell gar keinen Dienst habe", sagt er. Denn das Schicksal der Menschen, die nahezu alles verloren hätten und oft nur mit einem Rucksack ankämen, in den sie wenige Habseligkeiten gestopft hätten, berühre ihn schon. Ebenso die Angst vieler Kinder vor einer Uniform. "Unsere Jacken sind für sie auch eine Uniform", sagt er.

In der Notunterkunft gibt es eine Regelliste, übersetzt in mehrere Sprachen. Darin steht unter anderem, dass jede Familie ihre Parzelle in der Turnhalle sauber zu halten und sauber zu verlassen hat. "Wir erklären den Menschen, dass nach ihrem Weggang wieder neue kommen, die sich, wenn auch nur für kurze Zeit, in der Unterkunft wohl fühlen sollen", sagt der ausgebildete Chemielaborant. Im "Spielbereich" der Turnhalle hängen bereits viele bunte Bilder. Die ganz jungen Flüchtlingskinder malen oder basteln. Die etwas Älteren spielen auf dem Sportplatz. Der Tag vergeht nicht so schnell, wenn man wartet.

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Bald beginnt für Martin Euler das neue Semester. Dann kann er nicht mehr so oft an die Beethovenstraße kommen. Wie lange die Landes-Notunterkunft dort noch bleiben wird, ist ungewiss. Ende September wird Euler an einer Romwallfahrt der Malteser teilnehmen. "Wir fahren mit Kranken und Behinderten", erzählt er. Darauf freue er sich schon sehr. Bis dahin wird er sicher noch einige Stunden in der Notunterkunft verbringen, Erstpakete packen und versuchen, sich immer wieder auch mit Händen und Füßen verständlich zu machen.

Quelle: NGZ
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