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Tag gegen Lärm
Hier ist es laut in Dormagen

Tag gegen Lärm: Hier ist es laut in Dormagen
Bei Heimspielen der TSV-Handballer gibt's nicht nur für den Gegner was auf die Ohren. FOTO: WOI, omo
Dormagen. Heute ist der Tag gegen Lärm. In der Chemiestadt gibt es reichlich Krachquellen, doch die werden nicht nur als störend empfunden. Den vermutlich größten Lärm erzeugt in Dormagen ein Handteller kleines Plättchen. Von Stefan Schneider

Olaf Moll muss schmunzeln, wenn er an den August 2011 denkt. Damals gab die Rockband Slade ein Konzert auf der Freilichtbühne in Zons, und der Leiter des Kulturbüros sprach zu Beginn eine Warnung aus. "Ich habe den Zuhörern gesagt, dass es recht laut werden würde und dass sie sich doch an unserem Stand mit Ohrstöpseln versorgen sollten", erinnert sich Moll. Zunächst sei er für den Hinweis belächelt worden - nach dem Motto "Wir sind doch keine Opas". "Aber als Slade loslegte und die Bühne zum Vibrieren brachte, konnte man dann doch immer mehr Leute Richtung Earplug-Stand verschwinden sehen", erzählt Moll grinsend - eine nette Anekdote zum heutigen Tag gegen Lärm.

Im Dormagener Chempark gehört Ohrschutz in zehn Produktionsbereichen zum Arbeitsalltag. "Diese Bereiche sind mit Schildern besonders gekennzeichnet", berichtet Benjamin Schütz, Sprecher des Chempark-Betreibers Currenta. Beim Thema Lärm arbeiten im Chempark die Bereiche Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zusammen - nach dem TOP-Prinzip, wie Schütz erläutert: "T steht für technische Maßnahmen zur Lärmminderung wie Schallschutz oder Isolierung an lauten Maschinen. Unter O wird die Organisation in den Blick genommen: Kann die Arbeit so organisiert werden, dass Mitarbeiter dem Lärm nicht so oft ausgesetzt sind? Und unter P werden persönliche Schutzvorkehrungen gefasst wie Ohropax oder geräuschdämpfende Ohrschützer."

Und beim Slade-Konzert auf der Freilichtbühne 2011 waren Ohrstöpsel sehr gefragt. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Laut wird es auch bei vielen Einsätzen der Dormagener Feuerwehr, und das nicht nur wegen Sirenen und Martinshörnern. "Praktisch alle stromerzeugenden Geräte, die wir benötigen, sind ziemlich laut", weiß Feuerwehrchefin Sabine Voss. Es werde aber darauf geachtet, dass sich die Feuerwehrleute nicht zu lange an den lauten Maschinen aufhalten. Kommen Motorsägen zum Einsatz, "gibt es eine Ausrüstung wie für Waldarbeiter, mit Helm und Ohrschutz. Das ist auch so vorgeschrieben", sagt Voss.

Die Menschen, die in den Dormagener Stadtteilen mit Nähe zur Autobahn wohnen, werden angesichts der Lärmbelastung vielleicht mitunter auch schon an Stöpsel gedacht haben. Immerhin: Für Horrem und Delrath an der A 57 wird der Lärmschutz im Zuge des Autobahnausbaus von vier auf sechs Spuren verbessert. 22 Millionen Euro sollen dafür in den nächsten Jahren investiert werden.

Das sind die lautesten Alltagsgeräusche FOTO: dpa, Mascha Brichta

Tobias Plaz und Jonathan Eisenkrätzer sind eher ruhige Typen. Die beiden Handballer des Zweitligisten TSV Bayer Dormagen können Krach aber auch eine positive Seite abgewinnen - wenn er von den eigenen Fans erzeugt wird und der Anfeuerung dient. Dafür sorgen in der Halle An der Römerziegelei vor allem die Trommler. "Ich nehme im Spiel zwar nicht speziell wahr, wenn etwas gerufen wird, wohl aber, ob die Emotionen auf den Rängen für oder gegen unsere Mannschaft sind", sagt Linkshänder Plaz. "Unterstützung von den Rängen kann schon motivierend sein", meint Jonathan Eisenkrätzer, der es nach eigener Aussage aber mehr mitbekommt, "wenn wir bei Auswärtsspielen ausgepfiffen oder ausgebuht werden". Und das ist dann weniger erbaulich.

Den vermutlich größten Lärm - wenn auch zum Glück nur selten - erzeugt in Dormagen ein Handteller kleines Plättchen, das knapp hinter der Stadtgrenze beim Unternehmen Ineos in Worringen zum Einsatz kommt. Berstscheiben heißen jene Sicherheitseinrichtungen, durch deren Zerbrechen ein Überdruck in einer Anlage kontrolliert abgelassen werden kann. Das ist nicht gefährlich, erzeugt aber einen Knall. Und der ist ohrenbetäubend.

Diese Lärm-Klagen sorgten für Aufsehen in der Region FOTO: Ilgner
Quelle: NGZ
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