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Dormagen
Tankbetrug: Mehr als 100 Fälle

Dormagen: Tankbetrug: Mehr als 100 Fälle
Der Rasthof Nievenheim an Autobahn A 57, Richtung Neuss: Hier schlugen die Täter drei Mal zu. Dabei machten sie sich, zumindest beim letzten Mal, nicht einmal die Mühe sich zu tarnen. FOTO: Lothar Berns; Polizei
Dormagen. Mit steigenden Spritpreisen schnellt auch die Zahl der Tankbetrügereien in die Höhe. Über 100 Fälle registrierte die Polizei an den Dormagener Zapfsäulen. Die Raststätte Nievenheim war zuletzt von einer Betrugsserie betroffen. Von Jens Krüger

Weiße Turnschuhe, helle Jeans, schwarze Bomberjacke, kurz geschorene Haare – das Fahndungsfoto, das die Polizei zum jüngsten Tankbetrugsfall an der Raststätte Nievenheim veröffentlicht hat, zeigt den Täter von Kopf bis Fuß. Gleich viermal fuhren der Benzinabzocker und sein Kompagnon mit einem hellen Audi 100 vor, dreimal am Rasthof in Richtung Neuss, einmal in Richtung Köln. Der Beifahrer betankte den Wagen, anschließend flüchtete das Duo, ohne zu zahlen.

Mit den steigenden Spritpreisen schießt auch die Zahl der Tankbetrügereien in die Höhe. Dietmar Meisen, Leiter der Dormagener Kripo, spricht von 105 Taten im vergangenen Jahr alleine in Dormagen; 521 waren es 2009 im gesamten Rhein-Kreis Neuss. "Der Schaden", sagt Meisen, "ist immens."

Brigitte Scheerbarth, Inhaberin der Esso-Tankstelle an der Neusser Straße, kennt das Problem: "Mit den steigenden Benzinpreisen ist die Zahl der Betrugsfälle um 200 Prozent gestiegen – und die Jungs rüsten auf." Sie prophezeit, dass die Zahl der Flitzer, wie die Abzocker im Jargon der Tankstellenpächter genannt werden, sogar noch mehr werden wird. "Die Kameras helfen oft nicht weiter", sagt Murat Görböz, Vize-Stationsleiter der Aral-Tankstelle an der Krefelder Straße.

Denn die Profis tarnen sich. Sie kleben das Nummernschild mit schwarzem Tape ab oder stehlen die Schilder. Für die kriminellen Aktionen an der Raststätten Nievenheim waren drei Nummernschilder in Hürth und eines in Korschenbroich abmontiert worden. Normalerweise maskieren sich die Täter zudem: "Schal, Sonnenbrille, Rollkragenpullover – die Personen erkennt man danach nicht mehr", erklärt Polizeisprecher Bernd Schmutzler.

Besonders betroffen: Tankstellen, von denen die Täter schnell flüchten können. Zum Beispiel an der Autobahn oder der B9. "Die Fluchtmöglichkeiten sind ein wesentlicher Faktor. Wenn man auf dem Weg mehrere Ampeln passieren muss, ist das natürlich nicht so gut", sagt Kripochef Meisen. Derzeit beschäftigt die Polizei ein dreister Täter im Bereich Worringen, der gleich eine ganze Batterie Kanister in seinem Kofferraum betankt.

Gegen die Profis rüsten die Tankstellenbetreiber inzwischen auf. Die Mitarbeiter der Tankstelle Scheerbarth haben Abzocker schon mit dem Auto verfolgt. "Die", sagt Scheerbarth, "machen das nicht nochmal."

Quelle: NGZ
 
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