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TSV Bayer Dormagen
Ein starkes Stück Handball-Geschichte

TSV Bayer Dormagen: Ein starkes Stück Handball-Geschichte
Im "Aufstiegs-Endspiel" 2007 hatten die (damaligen) Dormagener Christoph Schindler (l.) und Kjell Landsberg alle Hände voll zu tun, um (den heutigen Essener Trainer) Mark Dragunski und seine 2,14 Meter Körperlänge in Schach zu halten.
Dormagen. Mit keinem anderen Gegner hat der TSV Bayer Dormagen so oft die Klingen gekreuzt wie mit TuSEM Essen - heute steigt das 33. Duell. Von Volker Koch

Egal, wie die Partie heute Abend ausgeht - mit dem Duell zwischen dem TSV Bayer Dormagen und TuSEM Essen, das um 19.30 Uhr von den Unparteiischen Martin Thöne und Marijo Zupanovic (beide aus Berlin) im Bayer-Sportcenter angepfiffen wird, wird ein starkes Stück Handballgeschichte fortgeschrieben.

Denn mit keinem anderen Gegner haben die Dormagener so oft die Klingen gekreuzt wie mit dem Turn- und Sportverein Essen-Margarethenhöhe, seit sie 1987 erstmals in die Handball-Bundesliga aufstiegen. 29 Punktspiele stehen zu Buche, hinzu kommen noch drei Begegnungen aus dem Play-off-Viertelfinale 1991. Meistens war Essen der Favorit - und wurde dieser Rolle auch oft genug gerecht, wie die Statistik belegt: Von den 32 Spielen gewannen die Dormagener nur neun.

Vier Mal endeten die Aufeinandertreffen mit einem Unentschieden, so wie das letzte: Im Hinspiel am 11. November 2014 hieß es am Ende 22:22, nachdem die Gäste zur Pause mit 14:11 und fünf Minuten vor Schluss noch mit 21:19 geführt hatten. 86 Sekunden vor dem Abpfiff traf Tobias Plaz zum 22:20, doch zwei Gegenstöße von Marcus Bouali und Simon Keller, der letzte 32 Sekunden vor Schluss, bescherten Essen noch den glücklichen Ausgleich.

"Als Aktiver habe ich gegen Dormagen auch immer Unentschieden gespielt", meinte TuSEM-Trainer Mark Dragunski hinterher. Der Ex-Nationalspieler, mit 2,14 Meter Körpergröße auch auf der Trainerbank unübersehbar, dachte dabei wahrscheinlich an eine der denkwürdigsten Auseinandersetzungen in der langen Geschichte der Duelle: Am 19. Mai 2007, dem letzten Spieltag der Zweitliga-Saison, gab es vor 3300 Zuschauern im Essener Sportpark Am Hallo ein echtes "Endspiel" um den Bundesliga-Aufstieg. TuSEM führte die Tabelle der Südgruppe aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den punktgleichen Dormagenern an - und verteidigte diese Position durch ein 21:21-Unentschieden. Auch da hatten die Gäste bereits 13:10 geführt, aber auch schon 17:20 im Hintertreffen gelegen. Mit seinem Tor zum 21:20 dreißig Sekunden vor Schluss katapultierte Sergio Casanova den TuSEM in die Erste Liga.

Sechs Spieler von damals sind heute Abend noch dabei, allerdings in unterschiedlichen Funktionen: Mark Dragunski (44) ist in der zweiten Saison Trainer, Stefan Krebietke (43) seit sieben Jahren Sportlicher Leiter beim TuSEM. Matthias Reckzeh (41) hat die Seiten gewechselt und sitzt als Torwarttrainer auf derEssener Bank. Joachim Kurth (44)tut dies als Teammanager auf Dormagener Seite, Dr. Peter Sieberger (39) hat als einer von drei Mannschaftsärzten des TSV Bayer zur Zeit alle Hände voll zu tun. Nur Linkshänder Tobias Plaz (33) steht noch auf dem Spielfeld.

Dormagen gegen Essen, das bedeutete auch immer interessante und brisante Personalgeschichten: Petre Ivanescu, der 1987 den TSV Bayer erstmals in die Bundesliga und dort auf Anhieb auf Platz fünf führte, kam als Meistermacher vom TuSEM nach Dormagen - der 78-Jährige lebt weiterhin in Essen. Vom TuSEM wechselte auch Hade Schmitz 1990 als Deutscher Meister auf die Dormagener Trainerbank - in den vier Jahren unter der Regie des heute 67-Jährigen feierte der TSV Bayer mit dem Einzug ins DHB- und Europapokalfinale die größten Erfolge seiner Vereinsgeschichte.

Auch Spieler wechselten immer mal wieder die Seiten: Heinz Baldus, Dieter Bartke, Kalle Töpfer, Jörn-Uwe Lommel, Karsten Kohlhaas, Maik Handschke, Matthias Reckzeh und Mirko Bernau trugen die Trikots beider Klubs. Aktuell stehen drei Akteure im Essener Kader, die auch schon in Dormagen (im Dress des DHC Rheinland) gespielt haben: Routinier Michael Hegemann (38) ist mit 164/31 Treffern achtbester Torschütze der Zweiten Liga, Dennis Szczesny (21) kam vor Saisonbeginn vom TV Bittenfeld, Hannes Lindt (28) in der Winterpause von Erstliga-Aufsteiger SG Bietigheim - eine Randnotiz im starken Stück Handballgeschichte.

Quelle: NGZ
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