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Björn Barthel, Handball-Geschäftsführer Tsv Bayer Dormagen
Finanziell gesund auch ohne Mäzen

Björn Barthel, Handball-Geschäftsführer Tsv Bayer Dormagen: Finanziell gesund auch ohne Mäzen
"Die Mannschaft hat diese Nackenschläge erst einmal durch einen tollen Teamzusammenhalt und positives Denken auffangen können," sagt Björn Barthel über die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen. FOTO: Heinz J. Zaunbrecher/Linda hammer
Neuss. Zum Ende der Hinrunde stehen die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen auf einem Abstiegsplatz. Geschäftsführer Björn Barthel zieht trotzdem ein positives Zwischenfazit und verrät, warum es im zweiten Saisonabschnitt besser werden soll. Von Volker Koch

Dormagen Mit der Partie am zweiten Weihnachtstag (Samstag 18 Uhr, Sporthalle Stählerwiese in Kreuztal) beginnt für den TSV Bayer Dormagen die Rückrunde in der Zweiten Handball-Bundesliga. Egal, wie dieses Spiel endet, die Dormagener gehen in jedem Fall auf einem Abstiegsplatz in die sechswöchige, durch die Europameisterschaften bedingte Pause. Zeit, mit Handball-Geschäftsführer Björn Barthel Zwischenbilanz zu ziehen, wo die Dormagener im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht stehen.

Herr Barthel, der TSV Bayer Dormagen überwintert auf einem Abstiegsplatz. Trotzdem lassen Sie in Peter Strosack einen Spieler Richtung Erste Liga ziehen. Haben Sie den Kampf um den Klassenverbleib bereits aufgegeben?

Seit 1998 beim TSV, seit 2012 Handball-Geschäftsführer: Björn Barthel. FOTO: Linda Hammer

Björn Barthel Wir lassen Peter Strosack schweren Herzens gehen, aber er hat zum jetzigen Zeitpunkt die Chance, bei einem Erstligisten Fuß zu fassen, die er am Saisonende vielleicht nicht hätte. Und genau das ist ja unsere Philosophie, junge Spieler auszubilden, damit sie einen solchen Weg gehen können. Vielleicht gelingt uns das Gleiche ja auch mit dem gerade neuverpflichteten Kevin-Christopher Brüren oder mit Frederik Spinner, den wir soeben langfristig an uns gebunden haben. Mit Robin Doetsch und ihm sind wir für die Zukunft auf Rechtsaußen auf jeden Fall gut aufgestellt.

Trotzdem stehen Sie als Tabellenvorletzter zum Ende der Hinrunde da, wo Sie auf keinen Fall stehen wollten. Wo liegen die Gründe für diese Situation?

Barthel Erst einmal möchte ich festhalten, dass das, was wir hier in den vergangenen dreieinhalb Jahren aufgebaut haben, grundsätzlich positiv ist. Wir haben dem Handball wieder einen positiv besetzten Stellenwert gegeben, wir haben einen guten Zuschauerzuspruch. Trotzdem haben Sie Recht, die sportliche Situation ist alles andere als zufriedenstellend. Das hat für mich drei Gründe: Erstens hatten wir gedacht, die Mannschaft habe aus der ersten Saison in der Zweiten Liga so viel gelernt, dass wir mit Mikk Pinnonen nur einen externen Zugang verpflichtet haben. Von seiner Verpflichtung hatten wir uns mehr erwartet, wobei die Tatsache, dass er häufig krank war, die Integration erschwert hat. Zweitens fielen uns bereits in der Vorbereitung wichtige Spieler aus, darunter Max Bettin als bester Torschütze des Vorjahres. Das zog sich durch die komplette Hinrunde. Und seit dem dritten Spieltag stand uns mit Dennis Marquardt Kopf und Herz der Mannschaft nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zur Verfügung. Ich glaube, andere Vereine hätten angesichts solcher Ausfälle auch ihre Probleme bekommen.

Trotzdem ist der TSV gut gestartet, hat einige überzeugende Spiele abgeliefert.

Barthel Die Mannschaft hat diese Nackenschläge erst einmal durch einen tollen Teamzusammenhalt und positives Denken auffangen können. Als dann die ersten knappen und unglücklichen Niederlagen kamen, verlor sie zusehens an Selbstvertrauen. Wir sind dann in eine regelrechte Negativspirale geraten, und das ist der dritte Grund, warum wir zur Halbzeit auf einem Abstiegsplatz stehen.

Was stimmt Sie zuversichtlich, die Abstiegsränge bis zum Saisonende noch verlassen zu können?

Barthel Zum einen, weil sich die Mannschaft ihre positive Grundstimmung und den guten Zusammenhalt bewahrt hat. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern schauen nach vorne. Und da sind in 20 Spielen noch 40 Punkte zu vergeben, das rettende Ufer ist auch nicht so weit weg, als dass da nicht noch alles möglich wäre. Wir haben doch in der Hinrunde die allermeisten Spiele nur ganz knapp verloren, das zeigt, dass eigentlich nur ein paar Prozentpunkte zum Erfolg gefehlt haben.

Welche Prozente sind das?

Barthel Was uns in erster Linie fehlt, ist die Erfahrung, die Nerven zu bewahren, wenn es am Ende eng wird. Wenn wir das abstellen können, dann bin ich überzeugt, dass wir die nötigen Punkte noch holen werden. Zumal die Hinrunde ja gezeigt hat, dass in dieser Liga fast jeder gegen jeden Gegner gewinnen - aber auch verlieren kann. Um an Erfahrung zuzulegen, müssen wir uns eventuell noch einmal verstärken, darum bemühen wir uns gerade.

Womit wir bei der Frage nach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wären, die gerade in Dormagen nach den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit immer besonders kritisch beäugt werden.

Barthel Dass es viele Vereine gibt, die in wirtschatlicher Hinsicht bessere Möglichkeiten haben als wir, ist ja bekannt. Daran hat sich nichts geändert. Genau wegen dieser Ereignisse der jüngeren Vergangenheit lautet die Vorgabe unserer Gesellschafter, und das ist bei uns der TSV Bayer Dormagen e.V., stets, die Saison wirtschaftlich seriös abzuschließen. Das ist in dieser Spielzeit genau so, und daran halten wir uns. Wir stehen finanziell gesund da, aber wir können uns keine großen Sprünge leisten. Wobei Sie nicht vergessen dürfen, dass die Zweite Liga ein ganz anderes, ein viel härteres Geschäft ist, das ist in keiner Weise mit der Dritten Liga, aus der wir ja herkommen, zu vergleichen. Wir haben eine große Schar von Sponsoren, die unseren Weg positiv begleiten.

Wie viele Sponsoren sind es inzwischen?

Barthel Insgesamt sind es 96 Partner und Unterstützer in unterschiedlichen Größenordnungen. Und das ist für uns sehr wichtig, denn so sind wir nicht von einem einzelnen Geldgeber oder von Mäzenatentum abhängig. Wie sehr die Sponsoren uns unterstützen, sehen Sie auch daran, dass sie uns die nötigen Mittel zur Verfügung stellen, um den Kader noch einmal nachbessern zu können, ohne dabei finanzielle Risiken eingehen zu müssen.

Nun kann es sein, dass der TSV Bayer trotz aller Bemühungen am Saisonende weiterhin auf einem Abstiegsplatz steht. Was passiert dann?

Barthel Erst einmal gehe ich davon aus, dass es dazu nicht kommt. Wir sind ja nicht in einer völlig aussichtslosen Lage, sondern wir wissen genau, was wir optimieren müssen, um erfolgreich zu sein. Sich gedanklich mit einem Abstieg zu befassen, wäre deshalb nicht nur viel zu früh - uns fehlt ehrlich gesagt auch einfach die Zeit, um uns damit zu beschäftigen. Weil wir nämlich alles daran setzen, um die Zweite Liga zu halten.

Quelle: NGZ
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