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TSV Bayer Dormagen leistet Offenbarungseid

Tsvbayerdo: TSV Bayer Dormagen leistet Offenbarungseid
Bezeichnend: Der schwer angeschlagen in die Partie gegangene Dennis Marquardt war der beste Dormagener am gestrigen Abend. FOTO: Heinz J. Zaunbrecher
Dormagen. Handball-Zweitligist spielt sich mit indiskutabler Leistung bei der 23:30-Schlappe gegen SV Henstedt-Ulzburg immer tiefer in die Krise. Von Volker Koch

Das Gute vorneweg: Es gab keine Pfiffe gegen die Heimmannschaft gestern Abend von den 1184 Zuschauern im Bayer-Sportcenter. Noch nicht. Lange wird es aber wohl nicht mehr dauern, bis selbst die treuesten Anhänger die Geduld verlieren - zumindest dann, wenn der TSV Bayer Dormagen nicht schleunigst die Kurve kriegt in der Zweiten Handball-Bundesliga.

"Es muss jetzt schnell gehen, sonst wird es wirklich eng", sagte Trainer Jörg Bohrmann nach dem Offenbarungseid, den sich seine Schützlinge mit der 23:30-Pleite (Halbzeit 11:15) gegen einen wahrlich nicht furchterregenden SV Henstedt-Ulzburg leisteten. Es war die fünfte Niederlage in Folge für die so gut in die Saison gestarteten Dormagener, die aus den zehn Meisterschaftspartien seit dem 29. August ganze zwei Punkte holten - die schlechteste Zwischenbilanz aller 21 Zweitligisten überhaupt.

Woher die schnelle Wende kommen soll bis zum nächsten Duell mit einem Gegner aus vermeintlicher Augenhöhe am Freitagabend (19.30 Uhr, Sportzentrum Am Hallo) bei TuSEM Essen, weiß selbst Jörg Bohrmann nicht so recht. Der 47 Jahre alte A-Lizenzinhaber wirkt zusehens ratloser. Zum vierten Mal in Folge brachten seine Spieler gestern Abend das Kunststück fertig, ein Spiel genau in dem Moment aus der Hand zu geben, wenn sie eigentlich die besten Chancen haben, es zu gewinnen - nach einer erfolgreichen Aufholjagd nämlich.

Gegen Henstedt, das am Freitagabend noch gespielt (und 28:27 gegen Eintracht Hagen gewonnen hatte), das dank staugeplagter NRW-Autobahnen erst 40 Minuten vor dem Anpfiff in Dormagen eintraf, machten die Bayer-Handballer aus einem 11:15-Pausenrückstand binnen zehn Minuten ein 18:18. "Endlich spielen wir richtig, die Halle steht hinter uns - und wir schaffen es wieder nicht, das auszunutzen", schüttelte Bohrmann noch auf der Pressekonferenz eine halbe Stunde später den Kopf. Statt gegen deutlich verunsicherte Gäste wegzuziehen, "treffen wir wieder zwei, drei falsche Entscheidungen - und schon liegen wir wieder hinten", monierte Bohrmann, der beim 18:20 (43.) mit einer Auszeit versuchte, den drohenden Niedergang aufzuhalten - vergebens. Wer so seine Spiele aus der Hand gibt, hat eindeutig ein Kopfproblem. Und auch wenn Bohrmann stets beteuert (auch gestern Abend), die Stimmung in der Mannschaft und die zwischen ihm und seinem Team sei gut - irgendetwas stimmt da nicht im einstmals funktionierenden und harmonierenden Mannschaftsgefüge, das längst nicht mehr wie ein solches Auftritt.

Bezeichnend, dass bei der gestrigen Pleite drei Spieler die besten waren, die alles andere als fit in die Partie gegangen waren. Allen voran Dennis Marquardt, der wegen seiner Schulterverletzung "eigentlich gar nicht mehr spielen dürfte" (Bohrmann) und der trotzdem der einzige war, der den Angriffsbemühungen so etwas wie Struktur verlieh. Der gerade von den Folgen einer Blutvergiftung genesene Sven Bartmann gewann das Duell auf der Torlinie mit 17:15, obwohl Henstedts Jan Peveling von den Dormagenern immer wieder angeworfen wurde. Und Sebastian kämpfte mit geschwollenem Knie so lange, bis es nach 45 Minuten nicht mehr ging. Max Bettin, Alexander Kübler, Robin Doetsch, Patrick Hüter und Sebastian Linnemannstöns verdienten sich noch das Prädikat "so leidlich" - der Rest, allen voran Jo Gerrit Genz, Mikk Pinnonen und ein zum Fehlpass-König aufgestiegener Jonathan Eisenkrätzer, sollte sich schleunigst hinterfragen, was er da eigentlich tut im Moment.

"Mit Handball hatte das wenig zu tun", gab selbst Bohrmann zu, "eine solche Leistung dürfen wir vor unserem Heimpublikum nicht abrufen. Es tut mir leid für die Fans." Die zeigen sich noch erstaunlich geduldig - doch den Bonus der Jungspunde, den Kredit der Underdogs haben die Dormagener bald verspielt.

Quelle: NGZ
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