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Dormagen
Ungeahnte Vielfalt der Arten auf der Deponie

Dormagen: Ungeahnte Vielfalt der Arten auf der Deponie
Umweltexperte Michael Berger erklärt den Norbert-Gymnasiasten Lynn, Nils und Ben anschaulich die Sauerstoffzufuhr bei einer Pflanze. FOTO: ANJA TNTER
Dormagen. Chempark-Betreiber Currenta hatte Norbert-Gymnasiasten aus Biologie-Leistungskursen zum "Tag der Artenvielfalt" eingeladen. Von Stefan Schneider

Gelber Wau, gewöhnlicher Natternkopf, kanadischer Katzenschweif oder geschlängelte Schmiele: Hinter diesen geheimnisvoll klingenden Namen verbergen sich keine exotischen Tiere, sondern Pflanzen. Eine ihrer Gemeinsamkeiten: Alle wachsen auf dem Gelände der Sonderabfalldeponie des Chempark-Betreibers Currenta in Rheinfeld.

Auf einem solchen Gelände erwartet der Laie nicht gerade ein Biotop. Dass es das aber ist, davon konnten sich gestern 30 Zwölftklässler aus den Biologie-Leistungskursen des Knechtstedener Norbert-Gymnasiums überzeugen. Currenta hatte die Schüler, die sich in vier Gruppen aufteilten, aus Anlass des "Tags der Artenvielfalt" eingeladen. Jeder Gruppe wurden Fachleute zur Seite gestellt, die das Areal mit den Jugendlichen erkundeten. "Wir möchten, dass die jungen Menschen durch eine umfassende Betrachtung erkennen, welche Faktoren für die Artenvielfalt auf der Deponie wichtig sind", sagt Currenta-Umweltexperte Ulrich Bornewasser.

Schwertlilien wachsen am Teich auf dem Deponiegelände. FOTO: KOARK/DPA

Sein Kollege Michael Berger hat am Wegrand gerade einen Spross des Roten Hartriegels von einem Strauch geknipst und zeigt seiner Gruppe auffällige Punkte auf dem Ästchen. "Was ist das?" will er wissen. Die Schüler sind fit in Biologie, doch hier müssen sie zunächst mutmaßen. Berger erläutert, dass die Epidermis der Pflanze durch die luftdurchlässigen Knübbelchen unterbrochen ist, damit sie mehr Sauerstoff bekommt - nach dem Prinzip der Diffusion (Vermischung gasförmiger Stoffe).

Bergers Gruppe hat sich eigentlich auf Pflanzenbestimmung konzentriert, doch dann vergrößert eine Hummel die Runde. Von Berger fliegt sie zu Lynn und kommt deren Gesicht ziemlich nahe. Der Umweltfachmann beruhigt: "Wenn Du nicht nach ihr schlägst, tut sie Dir nichts." Berger macht einen Schlenker vom Pflanzen- zum Tierreich, fragt nach Verwandten der Hummel und vergibt Punkte für richtige Antworten. Mit den Knechtstedenern ist er sehr zufrieden. "Die Schüler haben große Kenntnisse und schon viele Punkte gesammelt", erzählt er.

Currenta organisierte die Exkursion zum "Tag der Artenvielfalt", einer Initiative der Zeitschrift Geo und des Bundesamts für Naturschutz, für Schüler von Dormagener Schulen gestern zum neunten Mal. Die Sonderabfalldeponie in Rheinfeld, an deren Rand sich ein mit dem Rhein verbundener Teich befindet, bietet auf 33 Hektar viel Raum zum Erkunden und Entdecken. Auf einer großen Tafel am Eingang der Deponie findet sich eine lange Liste von Pflanzenarten, die auf dem Gelände gefunden worden sind. 2008 waren es 152 Arten, darunter auch seltene und schützenswerte, wie zum Beispiel das Mauer-Felsenblümchen. Das ist am Niederrhein vom Aussterben bedroht.

Michael Berger ist mit seinen Schützlingen unterdessen am Teich angekommen. Über Weide, Schwertlilie und Ahornkeimling landet er bei der Entengrütze, die er auch gleich aus dem Wasser fischt. "Lecker", sagt jemand aus der Runde ironisch. Doch auch die Entengrütze wandert als Probe in einen Beutel der Schüler. Die sollen nämlich später die anderen Gruppen über ihre Erkenntnisse beim "Tag der Artenvielfalt" anschaulich informieren.

Quelle: NGZ
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