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Dormagen
Vom Wirrwarr an der Himmelspforte

Dormagen: Vom Wirrwarr an der Himmelspforte
Im Rahmen des Theatersommers präsentierte das Galerietheater Zons am Freitag die Premiere von "Die Erziehung der Engel" in Knechtsteden. FOTO: Olaf Moll
Dormagen. Gelungene Premiere des Zonser Galerietheaters in der Theaterscheune. Von Klaus Niehörster

Sieht so das Paradies aus? Es gibt keine Hölle, nichts ist es mit dem Jüngsten Gericht, und Gott ist eine Frau. Das Galerietheater Zons trägt eine aberwitzige Version des Geschehens an der Himmelpforte vor. Alles ist anders, und das vollzählig erschienene Publikum ist entzückt von "Die Erziehung der Engel".

"Wir sind alle tot", erkennen sechs Ankömmlinge im Himmel. Aber sie stoßen auf einen sehr milden Gott und müssen das Fegefeuer nicht fürchten. "Wo bin ich?" fragt der Atheist. "Im Jenseits", erhält er als barsche Antwort von seinen Reisegesellen. "Gibt's nicht", antwortet er kurz und bündig. Esther Vilar hat eine köstliche Komödie geschrieben, die nur so gespickt ist mit Spitzen und Verstößen gegen tiefsitzendes Denken. Das geht bis zum Spott gegen die Frömmelei und spießt die Neigung zum "Weiter so" wie auf Erden auch im Himmel gnadenlos auf. Erstaunlicherweise wird jedoch die Balance zwischen "Es könnte ja doch so sein" und "Da ist überhaupt nichts dran" ausgleichend gehalten.

Gott zweifelt, ob er mit seiner Schöpfung zufrieden sein kann oder ob er es nicht besser hätte machen können. Die Verstorbenen rechtfertigen sich und wollen sogar in den himmlischen Gefilden nachkarten. Ein Drogenhändler: "Hat der Herrgott nicht herrliche Pflanzen geschaffen, die diese wunderbaren Träume machen?" Im Himmel könne man keine Kinder bekommen. Kommentar: "Das wäre ja noch schöner - ein Himmel mit Kindergeschrei." Der Atheist und Theater-Autor findet auf der Stelle genügend Stoff für sein zeitlebens geplantes Schauspiel.

Unzählige Fragen an Gott haben sie alle, und bei der Schärfe der Formulierungen kann einem der (die) Allmächtige richtig leidtun. "Wenn wir am Leben bleiben, warum müssen wir dann überhaupt sterben?", fragt einer. Um sich im Elysium bewegen zu können, müssen die Himmel-Aspiranten binnen eines Tages das Fliegen lernen und erhalten dafür Flügel. Das allein ist schon ein Ergötzen für die amüsiert mitgehenden Zuschauer. Die von Laienspielern zügig absolvierte Handlung kulminiert im Abflug in die verheißene ewige Glückseligkeit. Auch der Atheist schreitet an die Rampe, wenn auch schlotternd. Er hat keine Flügel, und das kann nicht gut gehen - ein herrlicher Theaterabend.

Quelle: NGZ
 
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