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Dormagen
Vor 350 Jahren wütete die Pest in Zons

Dormagen. Das Jahr 1666 war katastrophal für die Zollfeste. Die Seuche traf die Menschen in einer wirtschaftlich und persönlich sehr schwierigen Zeit. Von Stefan Schneider

Die Mahnung war deutlich und ließ kaum Raum für Hoffnung: "So bald einer mit der pest behaft, alsbald soll er zu Gott seine Zuflucht suchen, beichten, communiciren", lautete der erste Punkt der "pest-ordnung der Stadt Zonß" im 17. Jahrhundert. Tatsächlich gab es reichlich Tote infolge der Seuche, die die Zonser seinerzeit gleich mehrfach heimsuchte. 1666, also vor 350 Jahren, war die Pest von Köln ausgegangen und erreichte die Zollfeste im April.

Sie traf die Einwohner in einer ohnehin für sie sehr schwierigen Zeit, wie Peter Ströher vom Archiv im Rhein-Kreis in Zons für unsere Redaktion recherchiert hat. "Der große Stadtbrand von 1620 hatte weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt, und der Wiederaufbau war noch nicht abgeschlossen", berichtet Ströher, "die Pestwellen von 1623 und 1637 hatten bereits zahlreiche Opfer gefordert, und die Belagerung und Beschießung der Stadt in der Endphase des 30-jährigen Krieges hatte in großer Zahl Gebäude zerstört. Diese Einwirkungen führten zu einem langanhaltenden wirtschaftlichen und demografischen Niedergang der Stadt." Weil durch die Bevölkerungsverluste weniger Lebensmittel produziert werden konnten, seien zu allem Unglück auch noch die Preise gestiegen.

Nach Erkenntnissen des Historikers Thomas Schwabach, die er in der Festschrift zum 400-jährigen Bestehen der Zonser Pfarrkirche 1993 veröffentlicht hat, starben in der Zollfeste 1666 insgesamt 255 Menschen - eine vergleichsweise hohe Zahl. Wenngleich nicht alle aus diesem Kreis der Pest erlagen.

1623 soll es in Zons gar 600 Pesttote gegeben haben. Diese Zahl, die der damalige Bürgermeister Claus Kohl in seiner Ortsgeschichte "Zons am Rhein" von 1904 erwähnte, sei allerdings mit Vorsicht zu betrachten, urteilt Experte Peter Ströher. Denn Kohl nenne in seinen Ausführungen keine Quelle.

Die eingangs erwähnte "pest-ordnung" stammt aus der Zeit der zweiten Pestwelle in Zons im Jahr 1637. Sie wurde vor 350 Jahren erneut verbreitet. Interessant ist die weitere Entwicklung der Bevölkerung in der Zeit danach. 1668 und 1669 wurde in Zons auffallend viele Kinder geboren. Zurückzuführen ist dies nach Ansicht von Historikern wahrscheinlich darauf, dass viele Männer und Frauen, die zuvor ihre Partner durch die Pest verloren hatten, erneut heirateten und Nachwuchs zeugten. Danach aber sei die Geburtenrate bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wieder kontinuierlich gesunken, rekapituliert Peter Ströher. Dass Domkapitel habe 1687 und 1690 Neuansiedlern sogar Privilegien eingeräumt, um dem Bevölkerungsrückgang und der wirtschaftlichen Misere zu begegnen. Dies sei jedoch ohne durchschlagenden Erfolg geblieben.

Die Pest im Jahre 1666 hatte übrigens auch Auswirkungen auf die Religionsausübung der Zonser. Wenn man den Ausführungen des damaligen Zonser Pfarrers Otten in einem Buch von 1903 glauben darf, dann wurden die öffentlichen Gottesdienste vorübergehend ausgesetzt - um die Ausbreitungsgefahr zu verringern.

Quelle: NGZ
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