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Dormagen
Vor 80 Jahren wurde das Bayerbad eröffnet

Dormagen: Vor 80 Jahren wurde das Bayerbad eröffnet
Beim 24-Stunden-Schwimmen ist die Römer-Therme ein beliebter Anziehungspunkt für die Dauerschwimmer. FOTO: ATI
Dormagen. Die I.G. Farben finanzierten mit 60.000 Reichsmark den Bau an der Stelle, an der heute die Römer-Therme als modernes Ganzjahresfreibad steht. Das "Bayerbad" sollte in erster Linie der Gesundheit der Industriebeschäftigten dienen. Von Franziska Gräfe

Flaggenschmuck, soweit das Auge reicht, es ertönt Bachs Jubel-Ouvertüre, intoniert vom Orchesterverein der I.G. Farben in Leverkusen, sogar der deutsche Altmeister im Turmspringen, Heinz Plumanns, gibt sich die Ehre: Die Einweihung des "Bayerbades", wie es in Dormagen über Jahrzehnte genannt wurde, vor 80 Jahren gerät zu einem der wohl eindrucksvollsten Ereignisse, die das knapp 6000 Einwohner zählende Straßendorf Dormagen bis dato gesehen hat.

Die Direktoren und die Belegschaft des Werkes, örtliche Honoratioren und Parteigrößen feiern mit an jenem 21. August 1937, einem Samstag, an dem die erste Dormagener Badeanstalt eröffnet wird. Ein- schon damals ganzjährig betriebenes - Freibad für alle Bürger, gebaut unter tatkräftiger Mitwirkung der Belegschaft. Finanziert mit 60.000 Reichsmark der I.G. Farben, die damit auch die Gesunderhaltung ihrer Belegschaft fördern will. "Der Bau des Schwimmbades, Zeitpunkt und die Art und Weise, fügen sich in den Kontext der damaligen Zeit ein", sagt Historiker Stephen Schröder, Leiter des Archivs im Rhein-Kreis Neuss. Es passt ins Bild, wenn der Leverkusener Werkleiter Kühne, ausführt, in erster Linie sei das Bad gedacht für die sportliche Betätigung der Gefolgschaftsmitglieder, damit diese durch Schwimmen ihren Körper stärken und abhärten sollten und dadurch leistungsfähiger würden.

Am Montag vor 80 Jahren, zurzeit des Nationalsozialismus, wurde die heutige Römer-Therme an gleicher Stelle als Bayerbad eröffnet. FOTO: Archiv im Rhein-Kreis Neuss

Im Oktober 1936, als in der Direktorenkonferenz der Entschluss zum Bau des Bades gefasst wird, stellt sich Deutschland im Rahmen des Vier-Jahres-Plans bereits für den Kriegsfall auf. Das bedeutet steigende Arbeitszeiten und große Belastungen für die Beschäftigten in der produzierenden Industrie. Betriebe sind dazu aufgerufen, eigene Sportstätten zu bauen und damit Möglichkeiten der Erholung und des Ausgleichssports zu schaffen. Die Grundsteinlegung für das Dormagener Werksbad erfolgt symbolhaft am 30. Januar 1937, dem vierten Jahrestag der Machtergreifung durch die NSDAP. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit der Werksangehörigen stärken die im Februar beginnenden Ausschachtungsarbeiten, die von der Belegschaft in über 5000 Stunden freiwilliger Arbeit ausgeführt werden. "Lehrling, Arbeiter, Angestellter, Chemiker und Ingenieur griffen zum Spaten", so schreibt es die Heimatzeitung, lobt ferner die "stolze Leistung des Gemeinschaftssinnes". Werkleiter Kühne wird bei der Einweihung von Schwimmbad als "Beispiel des Kameradschaftsgeistes" sprechen.

Auch der Schwimmsport wird am Eröffnungstag beworben mit Demonstrationen verschiedener Vereine. Das Bad zeige gleich bei seiner Eröffnung "seine vorzügliche Brauchbarkeit für sportliche Wettkämpfe", wie der Reporter notiert.

Das alte Bayerbad wird 1991/92 um- und neugebaut als Römer-Therme. Es existiert als seit 2003 vom TSV Bayer Dormagen betriebenes Ganzjahres-Freibad fort und verschafft Dormagen damit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region und darüber hinaus. Inzwischen wird es als ein Ergebnis aus einem Bürgerentscheid, von der Stadt bei den Betriebskosten mitfinanziert.

Quelle: NGZ
 
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