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Dormagen
Vorreiterin der Inklusion verabschiedet

Dormagen: Vorreiterin der Inklusion verabschiedet
VHS-Leiterin Wilma Viol (r.) und Birgit Weber, Leiterin des Programmbereichs Gesundheit, würdigten den Einsatz von Hildegard Walter (l.), die verabschiedet wurde. FOTO: D. Staniek
Dormagen. Für die Dormagener Volkshochschule leitete Hildegard Walter fast 30 Jahre lang eine Sportgruppe für geistig Behinderte. Nun wurde sie mit einer kleinen Feierstunde vor einigen Kursteilnehmerinnen verabschiedet. Von Melanie von Schyndel

Fast 30 Jahre lang leitete Hildegard Walter für die Volkshochschule Dormagen eine Sportgruppe für geistig Behinderte. Nun geht eine Ära zu Ende - für Hildegard Walter, die VHS und für die Frauen, die jahrelang jeden Freitag Abend zusammen verbracht haben.

VHS-Leiterin Wilma Viol und Birgit Weber, Leiterin des Programmbereichs Gesundheit, würdigten den Einsatz von Walter jetzt mit einer kleinen Abschiedsfeier, zu der einige Kursteilnehmerinnen mit ihren Müttern gekommen waren.

Hildegard Walter (74) war bis zu ihrer Pensionierung vor neun Jahren Lehrerin an der Förderschule für geistige Entwicklung in Hemmerden. "Bei uns an der Schule gab es ein gutes Sportangebot", erzählt sie, "aber nach der Entlassung aus der Schule, dann sind die Schüler meist um die 20 Jahre alt, gab es nichts mehr, das hat mich immer schon gestört. Da habe ich gedacht, da muss man mal was machen."

Gegründet hat sie den Kursus 1988 mit ehemaligen Schülern, zuerst wurde in Gohr, dann in der Sporthalle in Straberg geturnt. Die Schüler haben allerdings nur kurz durchgehalten, die Schülerinnen waren umso treuer. Einige waren bis zuletzt dabei. Ausgeschrieben war der Kursus als "Ausgleichssport für geistig behinderte und nicht behinderte junge Erwachsene".

"Da haben Sie ja das Thema Inklusion mit dem gemeinsamen Sportangebot schon ganz früh angepackt", lobte Wilma Viol. Zwei Semester lang hatte eine nicht behinderte junge Frau mitgemacht, die dann umzugsbedingt aufhören musste. "Viele Menschen haben Berührungsängste und scheuen gemeinsame Kurse. Dabei lernt man so viel. Behinderte Menschen sind so mitfühlend, ich habe von unserer gemeinsamen Zeit sehr profitiert", meint die pensionierte Lehrerin. Freundschaften und tiefe Verbundenheit entstanden.

Nicht nur der Sport hatte einen festen Platz im Leben aller Beteiligten, es wurde ebenso viel gefeiert wie geturnt. Tanja Bräuer (42) meint: "Der Sport hat Spaß gemacht, war manchmal auch anstrengend. Wenn wir gefeiert haben, war es am schönsten." Auch Karneval und Weihnachten wurde in der Gruppe gefeiert, in den ersten Jahren unternahm sie sogar zwei Wochenendfahrten nach Bad Neuenahr und Gemünd. "Die Fahrten waren toll", schwärmt Silvia Effer. Auch die Mütter der Teilnehmerinnen verstanden sich so gut, dass sie private Ausflüge organisiert haben.

Inzwischen sind Kursleiterin und Teilnehmerinnen miteinander älter geworden, einige Frauen können gesundheitsbedingt nicht mehr mitmachen, oder die Eltern können den privaten Fahrdienst nicht mehr übernehmen. "Alles hat seine Zeit", meint Dagmar Dietrich, Mutter der 35-jährigen Jutta. "Es war immer ein fester Termin und toll - das ist jetzt vorbei, aber das ist in Ordnung so."

Hildegard Walter freut sich nach so vielen Jahren, den Freitagabend zu Hause in Straberg auf dem Sofa zu verbringen. "Ich bin jetzt auch froh, dass ich die Verantwortung abgeben kann, denn für viele Mädchen ist die körperliche Betätigung doch schwierig geworden."

Quelle: NGZ
 
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