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Dormagen
Weltmeister auf 196-PS-Rennmaschine

Dormagen: Weltmeister auf 196-PS-Rennmaschine
Ein Rennfahrer, der auch die Technik der Maschine beherrscht: Weltmeister Oliver Skach in der Werkstatt seines Betriebs. FOTO: Woitschützke
Dormagen. Der Hackenbroicher Oliver Skach hat auf einer Ducati Panigale, "dem Ferrari unter den Motorrädern", mit seinem Firmenteam Hertrampf die Langstrecken-Weltmeisterschaft für Zweizylinder-Maschinen gewonnen. Von Klaus D. Schumilas

Motorradfans, die den Laden an der Bergiusstraße betreten, dürften sich wie im Paradies fühlen: Prächtige Maschinen funkeln im Verkaufsraum, stehen aufgebockt in der Werkstatt und vermitteln Kraft und Eleganz. Dazwischen bewegt sich Oliver Skach (32) lässig. Für den Inhaber von KS Zweiradtechnik ist es Tagesgeschäft, von bis zu 200 PS starken Motorrädern umgeben zu sein. Das ist sein Beruf. Seine Berufung hingegen, der er hobbymäßig nachgeht, ist die Jagd nach schnellen Rundenzeiten. Ob auf dem Nürburgring, in Le Castellet oder im Mekka der Renn-Asse, in Le Mans. Und Skach gehört zu den sehr guten Fahrern: Im vergangenen Jahr wurde er Langstrecken-Weltmeister in der Super-Twin-Klasse.

Es ist ein Prachtstück, das der 32-Jährige und seinen Kollegen aus dem Hertrampf-Racing-Team, der Österreicher Marko Nokvasil und der Australier Gareth Jones, bewegen: eine Ducati Panigale 1199 Kubikzentimer im Wert von über hunderttausend Euro. Für den Laien heißt das übersetzt: 196 PS, eine Beschleunigung in weniger als acht Sekunden bis Tempo 200 und eine Spitzengeschwindigkeit von jenseits der 300-er-Marke. "Die Geschwindigkeit relativiert sich, wenn man dauernd so schnell fährt", erzählt der gebürtige Dormagener, der übrigens kein eigenes Motorrad hat, sondern lieber Auto fährt. "Ziel ist nicht, ein hohes Tempo zu fahren, sondern eine schnelle Runde."

Das schafft Oliver Skach mit Erfolg: 2014 wurde er Deutscher Langstreckenmeister, im vergangenen Jahr gewann er auch die Europameisterschaft, dort die EWC-Klasse auf einer Aprilia RS4. Das Ganze gelingt ihm als Hobbyfahrer neben Konkurrenten, die als Profi auf die Rundenjagd gehen. "Als Jugendlicher hatte ich die Vision Weltmeister zu werden, aber im Laufe der Jahre ist daraus ein Hobby geworden." Wenn ein Rennwochenende ansteht, ist ein großes Team mit dabei, das sich die Spezialaufgaben teilt: Daten-Recording, Tanken, Fahrwerk, Reifen, Logistik. Weil das Team erfolgreich ist, ist das Renn-Hobby für Skach kein Zuschussgeschäft. Aber reich wird er damit auch nicht: "Für den Gewinn des WM-Titels gab es eine Medaille", sagt er mit einem Lächeln.

Die Liebe zu den schnellen Zweirädern ist Oliver Skach von seinem Vater Karel in die Wiege gelegt worden, der die Geschäfte für Motorräder und gegenüber für Autos gründete. "Ich war dreieinhalb, als das Kinder-Motorrad Yamaha PW 50 unter dem Weihnachtsbaum stand." Im Alter von zwölf Jahren absolvierte er sein erstes Rennen. Heute sind es Acht- oder 24-Stunden-Rennen. Warum keine normale Runden-Jagd? "Warum Marathonlauf?" fragt er zurück. "Morgens um drei Uhr aufstehen und dann mit Tempo 300 die Gerade runterfahren, voll konzentriert - das ist einmalig." Oder vor 250.000 Zuschauern in Le Mans zu fahren. 3200 Kilometer fährt das Trio bei einem 24-Stunden-Rennen. Das bedeutet auch: Ein Überholmanöver lieber mal nicht fahren, denn sonst ist für das ganze Team das Rennen zu Ende, wenn ich fliege." Stürze sind normal, "fünf im Jahr sicherlich".

Quelle: NGZ
 
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