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Dormagen
Wenn Denkmäler zum Zuhause werden

Dormagen. Drei Menschen erzählen von ihrem Leben in einem Kloster in Knechtsteden, einem Schloss in Hülchrath und einem ehemaligen Wasserwek in Neuss. Sie wissen die individuelle Wohnumgebung zu schätzen. Von Bernd Rosenbaum

Viel herumgekommen ist Helmut Gerards in seinem Leben. Seit fünf Jahren jedoch wohnt der heute 82-jährige Spiritaner-Pater wieder in dem Kloster, mit dem ihn seit seiner Jugend so viel verbindet.

Gerards steht um sechs Uhr auf, um sieben beginnt das Morgengebet, um 7.30 Uhr findet eine heilige Messe in der Hauskapelle statt. "Danach steht mir der Tag zur freien Verfügung", sagt der Pater - bis zum Abendgebet, der Vesper, um 18 Uhr. Seine Zeit nutzt er gerne für Studien oder um zum Beispiel im Klosterladen nach dem Rechten zu sehen.

Gerards bisheriges Leben war geprägt von vielen Standortwechseln. Das fing schon in seiner Jugend an. Geboren und aufgewachsen in Rheydt, das inzwischen zu Mönchengladbach gehört, kam für Gerards bereits im Alter von 14 Jahren nur ein Klosterleben in Frage. Für Knechtsteden, das er damals noch nicht kannte, sprach dabei neben der Tatsache, dass es nicht allzu weit von Zuhause entfernt lag, auch, dass sich ein Schulkamerad von ihm für diese Klosterschule entschieden hatte. 1947 zog er zum ersten Mal in die Räume ein, die im Laufe der Jahrzehnte zu seinem Ankerplatz werden sollten. 1950 wechselte Gerards an ein Gymnasium in Menden, machte dort sein Abitur. Das anschließende Noviziat absolvierte er in Heimbach in der Eifel.

1960 wurde er zum Priester geweiht, 1964 ging er als Religionslehrer nach Buchen im Odenwald. Von 1968 an leitete Gerards als Hausoberer ein Internat in Speyer, 1982 dann der Wechsel zurück nach Knechtsteden, ebenfalls als Superior. Doch schon drei Jahre später verschlug es ihn zum Studium nach London, es folgten weitere drei Jahre als Ausbilder in Irland. 1990 zog es ihn dann nach Südafrika, um dort junge Afrikaner im Kloster auszubilden. "Das war eine besonders spannende Zeit für mich", erinnert sich der Pater, der vor Ort die Wahl von Nelson Mandela zum Staatspräsidenten hautnah miterlebte. Von 2000 bis 2010 arbeitete er schließlich als Seelsorger in einem Hospiz. "Knechtsteden ist meine Heimat", so Gerards, und seine über 20 Mitbrüder in dem Kloster sind wie eine Familie.

Eine große Familie hat auch Albert Stromann. Nur, dass er mit seiner Frau, den vier Kindern und zahllosen Tieren nicht im Kloster, sondern in einem echten Schloss wohnt - wenn auch nur zur Miete. "Leben wie zu Ritterszeiten", habe es in einer Zeitungsanzeige geheißen, in der vor 16 Jahren nach neuen Mietern für Schloss Hülchrath bei Grevenbroich-Kapellen gesucht wurde. Stromann bekam den Zuschlag. "Ein echter Glücksfall", findet er noch heute, denn wo sonst hätte er seine Pferde mitnehmen können? Wie in einer großen Wohngemeinschaft sei das Leben im Schloss mit den gut 20 anderen Mietern - nur, dass jeder seine eigene Wohnung habe. Aber trotzdem helfe man sich gern untereinander und feiere auch zusammen. "Und wenn ich abends aus dem Büro nach Hause über die Brücke fahre, ist das wie in eine andere Welt zu kommen", schwärmt der 57-Jährige. Respekt hat Stromann vor der Verantwortung, die sein Vermieter, der Schlossbesitzer, zu tragen hat. Das alles so in Schuss zu halten, dazu gehöre viel Idealismus und Herzblut zu, weiß der gelernte Architekt. Oft wird Stromann gefragt, ob bei ihm denn auch ein Schlossgespenst hause. "Ich weiß es nicht", sagt er dann mit einem Grinsen, "aber seltsame Geräusche, die hören wir schon hin und wieder."

Auch Jürgen Gromoll ist froh über seine derzeitige Bleibe. Der 62-Jährige wohnt in einer Remise, die zum ältesten Neusser Wasserwerk gehört. Das historische Industriegebäude wurde 1987 stillgelegt und später in eine Wohnanlage umgebaut, ohne jedoch den besonderen Charme der alten Architektur aufzugeben. "Alte Gebäude haben ganz andere Dimensionen und sind in ihre Umgebung eingewachsen", erklärt Gromoll den besonderen Reiz, den geschichtsträchtige Immobilien in seinen Augen ausmachten. Als Maler und Grafiker sei er glücklich, am Alten Wasserwerk ein Refugium gefunden zu haben, in dem er die Wohnung mit seinem Atelier vereinen könne.

Quelle: NGZ
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