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Bürgermeister Erik Lierenfeld
"Wir können als Stadt keine Läden vermieten"

Bürgermeister Erik Lierenfeld: "Wir können als Stadt keine Läden vermieten"
Bürgermeister Erik Lierenfeld weist Kritik zurück. FOTO: cw-/schum
Dormagen. Nachdem zwischenzeitlich das Aus für Dormagens einziges Kino drohte, entbrannte eine neue Debatte um das Dormacenter. Die NGZ hat mit Bürgermeister Erik Lierenfeld über Leerstand und die Attraktivität der Stadt gesprochen. Von Klaus Schumilas

Herr Lierenfeld, nach dem überraschenden, sofortigen Aus für das Cineplex haben viele befürchtet, Dormagen würde zur Kino-freien Stadt. Sie haben aus dem Gespräch mit dem Inhaber der Dormacenter-Immobilie eine gute Nachricht mitgebracht: Das Kino bleibt erhalten. Wie war Ihr Gesamteindruck aus dem Gespräch mit Maxim Makarov?

Erik Lierenfeld Ich kann das Gespräch als höchst konstruktiv und angenehm beschreiben. Herr Makarov hat eine klare Vorstellung, was seine Immobilie angeht, und er hat ein hohes Interesse an einem guten Besatz seines Eigentums - auch qualitativ. Von daher bin ich sehr positiv aus dem Gespräch gegangen.

Eine "Baustelle" ist der Leerstand im Dormacenter, aus dem immer mehr Unternehmen ausziehen. Wie beurteilen Sie die Situation dieses Centers? Was wünschen Sie sich?

FOTO: Klaus D. Schumilas kds

Lierenfeld Der Eigentümer hat gemeinsam mit dem Hausverwalter ein Konzept für die Nutzung der Immobilie, von daher mache ich mir an der Stelle keine Sorgen. Mein Wunsch ist, dass das Dormacenter in seiner Gesamtheit ein Anziehungsmagnet für die Menschen in und außerhalb von Dormagen ist.

Wie wichtig ist das Dormacenter für Dormagen?

Lierenfeld Jede belegte Immobilie in der Stadt erhöht unsere Attraktivität, das gilt auch für das Dormacenter, das recht exponiert in Dormagen steht.

Rund um dieses Thema hat sich vor allem im sozialen Netzwerk Facebook eine lebhafte Diskussion zum Standort Dormagen entwickelt. Dabei fallen nicht nur positive Aussagen, im Gegenteil: Dormagen sei ein "Kaff", das Angebot an Geschäften zu einseitig und alles wird schlimmer. Schmerzen solche Aussagen den Bürgermeister?

Lieremnfeld Schmerzen habe ich zum Glück selten - es ärgert einen aber, dass hier immer wieder Menschen unterwegs sind, die unsere Stadt schlecht reden. Das bringt niemandem etwas und schadet nur. Stattdessen lade ich gerne ein, sich für seine Stadt zu engagieren, denn unsere Stadt ist gut aufgestellt - das spiegeln mir auch immer wieder Besucher. Ich wohne auch sehr gerne in Dormagen und kann alles bekommen, was ich benötige.

Auch die Stadtverwaltung wird angegriffen: Es heißt, sie unternehme zu wenig, um die Stadt zu attraktivieren, und um zu verhindern, dass immer mehr Handy-Shops, Frisöre, Bäckereien und Billig-Läden in die City einziehen. Wie berechtigt sind solche Vorwürfe?

Lierenfeld Diese Kritik muss ich als unberechtigt zurückweisen. Wir tun alles in unserer Macht stehende, den Menschen in unserer Stadt ein gutes Umfeld und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir haben keinerlei Einfluss auf Entscheidungen der Eigentümer. Wir können als Stadt nicht Immobilien kaufen und diese besonders günstig an interessante Läden vermieten - das ist schon rechtlich nicht möglich. Entscheidend ist immer die Nachfrage, den größten Einfluss haben also die Bürger selber, indem sie ihr Geld in Dormagen lassen und nicht zum Beispiel im Internet bestellen.

Es wird bemängelt, dass es für Jugendliche zu wenige Treffpunkte in der City gibt und sie gewissermaßen gezwungen sind, nach Köln auszuweichen. Wie sehen Sie das?

Lierenfeld Ja, wir haben keine Großraumdiskothek. Das ist aber gar nicht das entscheidende Thema. Dafür haben wir einfach zu viel Konkurrenz im Umland. Ich bin aber davon überzeugt, dass jeder Jugendliche eine Freizeitbeschäftigung in Dormagen finden kann. Es sind meist die Erwachsenen, die sich an mich in der Angelegenheit wenden. Die letzten Jugendlichen, die mal ernsthaft bei mir waren und etwas vermisst haben, waren die Jungs für den Dirtpark. Selbst das Angebot haben wir inzwischen geschaffen.

Welche Rolle können das Stadtmarketing und die Werbegemeinschaft CiDo spielen? Wie groß sind deren Einflussmöglichkeiten auf eine Innenstadt? Sie so zu entwickeln, dass sie den Menschen gefällt?

Lierenfeld Auch hier gilt es, dass es vor allem die Dormagener selbst in der Hand haben, indem sie ihr Geld hier lassen und sich positiv über die Stadt äußern, wir brauchen alles - aber keine Miesmacher. Die Zusammenarbeit zwischen uns und der Cityoffensive wird weiterhin für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Sie leben selbst in der City. Welcher Laden bzw. welches Sortiment fehlt Ihnen dort?

Lierenfeld Mir fehlt aktuell nichts. Wenn man mit offenen Augen durch unsere City läuft, findet man alles, was man braucht.

Quelle: NGZ
 
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