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Dormagen
Wo Äpfel und Birnen doch vergleichbar sind

Dormagen. Im Kreismuseum Zons dreht sich ab morgen alles um die Ausstellung "Zum Reinbeißen! Äpfel und Birnen von Korbinian Aigner". Von Carina Wernig

Wer bisher dachte, Äpfel und Birnen seien sprichwörtlich nicht zu vergleichen, wird im Kreismuseum Zons ab morgen eines Besseren belehrt: In der Ausstellung "Zum Reinbeißen! Äpfel und Birnen von Korbinian Aigner" hängen genau diese Obstsorten nebeneinander als Bilder an der Wand oder liegen als lebensechte Modelle in den Schaukästen. "Wer sich im Sommer umfassend dem Apfel nähern will, kann das nur bei uns", sagt Museumsleiterin Angelika Riemann selbstbewusst. Da leuchtet der "Rote Boskop" genauso wie die "Golden Delicious" oder der "Kaiser Wilhelm". Gleich im ersten Raum rechts des Aufgangs ist der "Klarapfel" zu bestaunen - und der wächst auch draußen im Schlosspark.

Im Kreismuseum an der Schloßstraße 1 in Zons gibt es 204 der knapp 900 bunten Obst-Bilder der verschiedenen Sorten zu sehen, die der bekannte Theologe und Pomologe (Obstbaukundler) Korbinian Aigner bei seinem Tod 1966 hinterließ. Er zeichnete und malte die Äpfel und Birnen so detailgetreu und mit künstlerischem Geschick, dass sie mehr sind als nur eine reine Bestimmungshilfe der einzelnen Apfel- oder Birnensorte. "Seine Poesie der Landwirtschaft kommt ebenso zur Geltung wie die verschiedenen Eigenschaften der Sorten, in denen er Gottes Schöpfungswerk mit Akribie festhielt", erläutert Riemann.

Der 1885 in Bayern geborene Aigner, der den Hof seines Vaters übernehmen sollte, wandte sich der Theologie und dem Obstanbau zu. Nachdem Korbinian Aigner im Religionsunterricht offen den Nationalsozialismus kritisiert hatte und sich geweigert hatte, Nazi-Fahnen zu hängen oder die Glocken außerhalb des christlichen Tagesablaufs zu läuten, wurde er nach einer Denunziation 1939 ins KZ Sachsenhausen und dann ins KZ Dachau verschleppt - 1945 konnte er auf dem "Todesmarsch" fliehen. Im KZ züchtete Aigner vier Apfelsorten, von denen er "KZ 3" als einzig geeigneten hielt. Dieser Apfel, der die Nummer 600 der Bilder trägt, heißt seit 1985 - dem Jahr des 100. Geburtstags Aigners - "Korbiniansapfel".

130 Jahre nach seiner Geburt widmet sich nun das Kreismuseum Aigner und seinen Bildern, die bereits 2012 im Rahmen der internationalen Ausstellung für zeitgenössische Kunst, der "documenta" zu sehen waren. Zur Eröffnung, die morgen um 11 Uhr in der Nordhalle des Kulturzentrums in Zons beginnt, spricht Professor Peter Brenner vom Archiv der Technischen Universität München über die "Apfel im Archiv - die Obstsortenbilder Korbinian Aigners an der TU München".

Viele Besucher werden sich angesichts der vielen Sorten an die Äpfel ihrer Kindheit erinnern, hofft Museumsleiterin Riemann: "Ich selbst habe immer noch den Geschmack einer Sternrenette im Gedächtnis, die es früher zu Weihnachten gab." Zusätzliche Infos zu den Sorten, ihrem Geschmack, dem Säuregehalt und ihrem Vorkommen runden die Ausstellung ab, in der auch der "Apfel des Jahres" zu sehen ist - und auch heimische Äpfel wie den "Peter Broich", der auch den lesenswerten Katalog zur Ausstellung schmückt: Diese Sorte (Nummer 470) wurde in Grevenbroich entdeckt. Ebenso vertraut die Nummer 200 ("Von Zuccalmaglios Renette") oder die Nummer 66 ("Golrenette Freiherr von Berlepsch").

Quelle: NGZ
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