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RP-Serie Heimat
Wohnen in einem Denkmal in Zons

RP-Serie Heimat: Wohnen in einem Denkmal in Zons
Ihr Heim ist ein historisches Haus: Für Verena Oefler, ihren Ehemann Andreas Niemand und ihre Kinder ist das Alltag. In Zons haben sie ihr Haus in mittelalterlicher Umgebung innen modernisiert. FOTO: Georg Salzburg
Dormagen. Die Familie Niemand-Oefler hat im vorigen Jahr den denkmalgeschützen, düsteren Altbau an der Schloßstraße saniert und in ein familientaugliches, helles Heim für sich und die beiden Kinder verwandelt. Von Franziska Gräfe

1838 in eisernen Lettern: Haus Nummer 14 an der Schloßstraße trägt stolz sein Geburtsjahr zur Schau. Fassade und Fenster fügen sich ins historische Bild der Zonser Altstadt ein, doch wer über die Schwelle tritt, steht in einem geräumigen und lichtdurchfluteten Neubau. Gemeinsam haben Verena Oefler und Ehemann Andreas Niemand im Jahr 2015 den denkmalgeschützten Altbau saniert und in ein familientaugliches Heim für sich und ihre beiden Kinder verwandelt.

"Es war ein düsteres, unheimliches Haus mit niedrigen Decken und kleinen Räumen", erinnert sich Verena, "zuerst haben wir es abgesagt." Doch die Niemand-Oeflers, fünf Jahre lang schon Mieter im Nachbarhaus, hatten sich in das Zonser Altstadtleben verliebt. Sie wollten bleiben, und entschieden sich dafür, den Umbau des Denkmals anzugehen.

"Vor dem Kauf sind wir zum Denkmalschutzbeauftragten gegangen, um zu hören, wo die Stolpersteine bei der Sanierung liegen", erzählt Andreas. Seinerzeit war Jürgen Waldeck bei der Stadt Dormagen jene Instanz, die über Gestaltungsfragen in der Altstadt wachte. Andreas erinnert sich an die "nette und unkomplizierte" Zusammenarbeit. "Das Erscheinungsbild zur Straße sollte erhalten bleiben, drinnen waren wir in der Gestaltung ziemlich frei", fasst er zusammen. So konnten abgehängte Decken geöffnet, Wände versetzt, Schuppen abgerissen, das Wohnzimmer in den Hof hinein- und eine Fußbodenheizung eingebaut werden. "Wir hatten Angst vor der Sanierung, die hat er uns genommen", blickt Verena auf die ersten Gespräche mit der Denkmalbehörde zurück.

Auflagen gab es dennoch: Wie viel Fläche versiegelt, wie hoch die Gauben gebaut, welches Material genutzt werden darf bis hin zur Neigung der Dachschrägen, das alles ist für die Zonser Altstadt festgeschrieben. Auch der Gewölbekeller unterm Haus, praktisch nicht nutzbar, weil sehr feucht, muss erhalten bleiben. "Und die Farben für die Fensterläden mussten wir auch abnicken lassen", berichtet die Hausherrin. Leuchtend weiß und blau mit schmaler roter Linie zeigen sich die Fensterläden zur Schloßstraße hin: "Darauf werden wir oft positiv angesprochen." Mit direkter Rückmeldung muss man rechnen: In Alt-Zons leben über 500 Menschen innerhalb der 250 Mal 300 Meter langen Stadtmauern aus dem 14. Jahrhundert. Touristen streifen jedes Jahr in sechsstelliger Zahl durch die Gassen. Allein am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober wurden 5000 Passanten am Schloßplatz gezählt. "Uns stören die Touristen nicht, wir hören sie als nettes Stimmengewirr", sagt Oefler.

Familie Niemand-Oefler ist mit ihrer Entscheidung fürs Leben im Denkmal rundum zufrieden: "Dieses Haus hier mit seiner Individualität, das sind wir. Ein Neubauviertel mit seiner Gleichförmigkeit hätte uns nicht entsprochen." Ein freigelegtes Stück Backsteinmauer und nachgebautes Fachwerk machen die alte Bausubstanz im Obergeschoss sichtbar, "schließlich wollen wir auch nicht vergessen, dass wir in einem Denkmal leben", sagt Niemand. Was die Kosten angeht, kommen Alt- und Neubau wohl ziemlich aufs Gleiche raus. Im Falle der Niemand-Oeflers stehen Kaufpreis und Sanierungskosten im Verhältnis eins zu zwei. Fördermittel gab es nicht, lediglich zinsgünstige Darlehen der öffentlichen Hand.

Quelle: NGZ
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