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Dormagen
Workshop über Schicksal von Flüchtlings-Frauen

Dormagen. Ist die Flucht nach Europa männlich? Diese Frage hat sich die Diplom-Sozialpädagogin Ursula Habrich gestellt. Der Grund? "Auf den meisten Bildern sind überwiegend Männer zu sehen und daraufhin habe ich mich wiederum gefragt, was denn mit den Frauen ist?", sagt Habrich. Sie gab am Donnerstag in den Räumlichkeiten des "Hauses der Familie" der Caritas Unter den Hecken im Rahmen der Interkulturellen Woche einen Workshop über das Schicksal geflüchteter Frauen unter dem Titel "Mit Nichts geflohen und Vielem im Gepäck." Unter ihren Zuhörerinnen waren auch sieben Frauen, die sich ehren- oder hauptamtlich um Flüchtlinge kümmern.

Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen zufolge ist jeder zweite Flüchtling weiblich. In Deutschland allerdings sind nur 38 Prozent weibliche Asylsuchende verzeichnet. "Es ist wichtig, dass auch die Frauen bemerkt werden", sagt die Sozialpädagogin. Mit dem Titel des Workshops spielt sie auf die besonders prekäre Situation der weiblichen Flüchtlinge an. Denn mit dem Gepäck meint die Referentin vor allem die Verantwortung, die die Frauen tragen. So haben sie auf der Flucht meistens ihre Kinder dabei. Zudem gibt es auch geschlechterspezifische Fluchtgründe, die die fliehenden Damen belasten und oft Traumata hervorrufen. Etwa die Angst vor Verschleppung und Vergewaltigung - beides ist eine Kriegsstrategie. Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Frauenhandel seien vor allem in afrikanischen Ländern ein Fluchtgrund.

Hier angekommen, mit der Hoffnung alles sei nun besser, haben viele zunächst mit einem Kulturschock, einer hohen Verweildauer in den Unterkünften und ihrem Trauma zu kämpfen. "Wer mit diesen Frauen arbeitet, muss mit diesen Traumata und den Ängsten umzugehen wissen", sagt die Referentin. Die Workshop-Teilnehmerinnen tauschten auch ihre Erfahrungen. Hilfreich wäre es, wenn es für die Flüchtlinge einen Seelsorger der jeweiligen Glaubensrichtungen gibt, der religiösen Beistand leistet, den die Haupt- und Ehrenamtler nicht leisten können.

(clü)
 
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