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Dormagen
Zimmermann arbeitet mit Säge und Computer

Dormagen: Zimmermann arbeitet mit Säge und Computer
Otto Deneke (l.) hat den Betrieb einst an der Aldenhovenstraße in Zons gegründet, sein Sohn Eckhard führt ihn an der Roseller Straße weiter. FOTO: ANJA TINTER
Dormagen. Die Deneke GmbH feiert 50-jähriges Bestehen. Firmengründer Otto Deneke (81) hat noch ganz anders gearbeitet als sein Sohn Eckhard (52). Von Stefan Schneider

Mit dem Sortieren von Zimmermannsnägeln fing es an. Manch anderem Jungen wäre das vielleicht schnell langweilig geworden und er hätte wie viele Altersgenossen eher mit einer Berufslaufbahn als Lokomotivführer, Feuerwehrmann oder Profi-Fußballer geliebäugelt. Für Eckhard Deneke (52) aber stand schon sehr früh fest: "Ich möchte in die Fußstapfen meines Vaters und meines Großvaters treten und Zimmerer werden." Genauso ist es gekommen. Und am nächsten Donnerstag können er, Firmengründer Otto Deneke (81) und ihre Familie auf das 50-jährige Bestehen ihres Unternehmens anstoßen, das seine Wurzeln an der Aldenhovenstraße in Zons hat, aber seit 1984 an der Roseller Straße beheimatet ist. Die Firma fertigt vor allem Dachstühle, Carports und Vordächer aus Holz an.

Wer sich mit Vater und Sohn unterhält, stellt schnell fest, dass sich das Handwerk des Zimmerers stark gewandelt hat. "Zu meiner Zeit hat man jedes Stück Holz, das man verarbeitet hat, mindestens sieben Mal in der Hand gehabt", erinnert sich der Senior. Heute bleibe viel von der klassischen handwerklichen Tätigkeit auf der Strecke.

Eckhard Deneke bestätigt das zwar, sieht aber durchaus Vorteile. "Logistisch gibt es eine Reihe Erleichterungen", urteilt er. Großen Anteil daran haben die technischen Fortschritte bei der Abbundtechnik. In den 1980er Jahren begann der Siegeszug der Abbundmaschinen, computergesteuerten Holzzuschnittanlagen. Während früher Dachstühle am Reißbrett konstruiert wurden, laufen solche Arbeiten heutzutage mithilfe des Computers ab. Dort plant der Zimmerer das Objekt und übermittelt die entsprechenden Daten an ein Werk, in dem benötigten Stücke passgenau hergestellt werden. Das Material wird komplett zur Baustelle geliefert, wo der Zimmerer den Dachstuhl praktisch nur noch aufzusetzen und Begleitarbeiten, wie etwa Verschalungen, übernehmen muss. "Das rechnet sich und ist kostengünstiger als früher, als man zum Beispiel immer hin- und herfahren musste, um das Holz aus der Werkstatt zur Baustelle zu transportieren", sagt Eckhard Deneke. Weil dank moderner Technik auch der Personalbedarf gesunken ist, beschäftigt Deneke zurzeit nur eine Aushilfe und kooperiert ansonsten mit zwei Zimmerer-Kollegen aus dem Rhein-Kreis.

Durchaus kritisch sieht Otto Deneke, der längst im Ruhestand ist und die Verantwortung für den Betrieb Sohn Eckhard bereits 1994 übertragen hat, die heute übliche überbetriebliche Ausbildung. Früher seien Lehrlinge einmal pro Woche in der Berufsschule und ansonsten in ihrer Firma gewesen, heute komme die praktische Tätigkeit und die Anbindung an den Lehrbetrieb zu kurz, findet Otto Deneke. Er weiß, wovon er spricht: Immerhin sind aus seinem Unternehmen, das er im Dezember 1965 noch ohne Meisterbrief ins Leben gerufen hat (die Prüfung holte er 1967 nach dem Besuch einer Abendschule in Düsseldorf nach), fünf weitere Zimmerermeister hervorgegangen.

Eckhard Deneke machte seine Ausbildung auf Anraten des Vaters allerdings nicht im elterlichen Betrieb. "Er sollte auch mal was Anderes mitkriegen", erklärt Otto Deneke. Nach der Lehre stieg Eckhard dann aber zu Hause ein, besuchte später die Meisterschule in Bielefeld-Brackwede und bestand 1988 seine Prüfung.

Dass der Zimmererberuf bei Denekes in vierter Generation überlebt, ist indes so gut wie ausgeschlossen. "Mein Sohn hat andere Interessen", sagt Eckhard Deneke.

Quelle: NGZ
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