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Dormagen
Zonserin beschert Katzen schönen Lebensabend

Dormagen. Cornelia Schaber nimmt Katzen aus dem Tierheim bei sich auf, die kaum eine Chance auf Vermittlung haben. Von Stefan Schneider

Das Leben ist beschwerlich geworden für die alte Dame. Augen und Ohren machen nicht mehr mit, sie ist so gut wie blind und taub. Ihre Nierenwerte sind schlecht. Und die Arthrose im Bein plagt sie so sehr, dass sie Steigungen nur mit einiger Mühe überwinden kann. Trotzdem macht Omi einen zufriedenen Eindruck. Als der Besuch eintrifft, hält sie gerade ein Nickerchen. Wahrscheinlich träumt sie von früheren Zeiten - als sie noch Mäuse jagen konnte. Denn bei Omi handelt es sich nicht um einen Menschen, sondern um eine Katzenseniorin. Und dafür, dass sie sich wohlfühlt, sorgt Cornelia Schaber.

Dass die Zonserin ein großes Herz hat, wird im Gespräch mit ihr sehr schnell deutlich. Seit knapp einem Jahr engagiert sie sich ehrenamtlich im Dormagener Tierheim in Hackenbroich. Nicht hin und wieder, sondern fünf Mal in der Woche, meistens von 8 Uhr bis zum Mittag. Sie macht dort sauber, in der Regel im Katzenbereich, spielt und schmust mit den Samtpfoten. Auch beim Weihnachtsbasar der Einrichtung half sie mit.

Wobei Schabers soziale Ader keineswegs auf Tiere beschränkt ist. Bevor sie im Tierheim anfing, hatte sie im Seniorenzentrum an der Weilerstraße in Horrem Kontakt zu einer betagten Bewohnerin, die sie regelmäßig besuchte, die aber inzwischen gestorben ist. Das alles berichtet sie ohne Aufhebens, als sei derartiger Einsatz für Andere ganz selbstverständlich. Ist es für sie wahrscheinlich auch. "Ich hätte gerne einen Beruf im Sozialbereich ausgeübt", erzählt die 63-Jährige. Doch es kam anders, sie lernte Verkäuferin, nachdem sie 1970 als 16-Jährige mit ihren Eltern aus Recklinghausen nach Dormagen kam. Längst fühlt sie sich als Zonserin, wo sie seit 35 Jahren lebt.

Schon fast genauso lange ist sie Katzenhalterin. Als ihr letzter Kater Skippy im Februar starb, beschloss sie, Stubentiger aus dem Tierheim bei sich aufzunehmen. Und zwar speziell solche, die alt und krank sind, weil die kaum jemand haben möchte. "Junge Kätzchen finden schon neue Besitzer", glaubt die Zonserin, die deshalb ganz pragmatisch handelt. Außer Omi hatte sie im Sommer den schwerkranken Kater Rambo zu sich geholt. "Solange es ging, habe ich versucht, ihm ein schönes Zuhause zu geben", erzählt Schaber. Das gelang ihr immerhin zweieinhalb Monate lang, bis Rambos Kräfte zuende gingen.

Von der Zuwendung, die sie den Tieren gibt, habe sie auch selbst etwas, sagt die Zonserin: "Es ist schön, Erfolge zu sehen, zum Beispiel, wenn sehr scheue Katzen Vertrauen zu mir fassen. Das gibt mir sehr viel." Auch dass die blinde Omi in ihrer Wohnung mittlerweile scheinbar problemlos ihre Wege findet, sei für sie etwas Besonderes.

Der Besuch rüstet sich zum Aufbruch. Omi liegt wieder in ihrem Körbchen. Bald wird sie auf die Couch wechseln. Da wartet dann wieder ein Verwöhnprogramm auf sie. "Kraulen, kraulen, kraulen", sagt Cornelia Schaber lächelnd.

Quelle: NGZ
 
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