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Dormagen
Zurück zu alter Pracht

Dormagen: Zurück zu alter Pracht
Das Fresko von 1160 in der Westapsis der Klosterbasilika Knechtsteden wird noch bis Dienstag gesäubert und aufgearbeitet: Risse werden geschlossen, loser Schmutz und Spinnweben entfernt. FOTO: A. Woitschützke
Dormagen. Etwas mehr als eine Woche arbeiten zwei Restauratoren in der Basilika Knechtsteden, um in der Westapsis das Fresko aus dem 12. Jahrhundert zu reinigen und zu sanieren. Von Carina Wernig

Spinnweben und Schmutzpartikel haben sich auf dem Wandgemälde in der Westapsis der Klosterbasilika Knechtsteden angesammelt, jetzt werden sie vorsichtig entfernt. Restaurator Dietmar Krauthäuser und seine Kollegin Geraldine Geyer haben zunächst das Fresko mit dem segnenden Christus, den Evangelisten und Aposteln genau unter die Lupe genommen: "Wir füllen entstandene Risse auf und befestigen gelöste Farbschichten wieder auf dem Untergrund", erläutert Krauthäuser vom Unternehmen Kartäuserhof.

Diese Arbeit soll das beeindruckende Fresko, dessen Farbe vor achteinhalb Jahrhunderten direkt auf den Putz aufgetragen wurde, konservieren helfen. Dazu dient auch die Kartierung des jetzigen Zustands, um Veränderungen festzuhalten und für künftige Sanierungen zum Vergleich heranziehen zu können. Die erfahrenen Restauratoren achten darauf, dass sie das Gemälde und seine Farbpigmente nicht "wegfegen". "Wir festigen die Malschicht und gegebenenfalls den Verputz, wenn er durch Risse gefährdet ist", erläutert Krauthäuser. So geht ein sichtbarer Riss vom mittleren Fenster aus geradewegs durch das Christusgewand. "Den werden wir schließen und retouchieren", so die Fachleute. Die einzelnen Tagewerke der Maler aus dem 12. Jahrhundert sind gut voneinander zu unterscheiden. "Vom Originalbestand ist noch einiges erhalten, gerade im figürlichen Bereich", so der diplomierte Restaurator.

"Wir sind sehr froh, dass wir bei der Restaurierung vor allem vom Erzbistum Köln und auch dem Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden unterstützt werden", erklärt Christian Hinsen, der bei den Spiritanern für die Verwaltung der Klostergebäude in Knechtsteden zuständig ist. Auch Fördermittel werden abgerufen. Wie teuer die Sanierung genau wird, steht noch nicht fest, da erst festgelegt wird, welche Arbeiten jetzt und welche vielleicht erst später erledigt werden sollen. "Alle vier Jahre soll das Fresko überprüft werden", so Hinsen.

Anfang Januar hatte Stephan Großsteinbeck vom Förderverein erklärt: "Wir werden den nötigen Eigenanteil des Klosters übernehmen." Bereits bei einer Trockenreinigung des Freskos 2014 hatten Fachleute darauf hingewiesen, dass das Fresko eine gründliche Restaurierung nötig hat. "Sie schätzen den Aufwand auf rund 70 Stunden", erklärte Großsteinbeck, dass der Verein mit 6000 Euro Kosten rechne.

Das romanische Fresko ist um 1160 in der Bauzeit der Basilika entstanden. Das Gemälde wurde in den feuchten Putz gemalt: Kontur, Binnenzeichnung und Lokalfarben; Abtönungen, Lichter und Schatten wurden später hinzugefügt. Im Zentrum des Freskos befindet sich Christus der Weltherrscher, über dem Erdkreis thronend. In der linken Hand hält er ein Buch, die rechte Hand zeigt den Segensgestus. Erst bei Renovierungsarbeiten nach dem Kirchenbrand von 1869 wurde das im Barock übermalte Fresko wiederentdeckt, von 1882 bis 1887 wieder freigelegt und in den 1950-ern restauriert, das letzte Mal 2001.

Quelle: NGZ
 
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