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Dormagen
Zwei Tonnen Lebensmittel für Bedürftige

Dormagen: Zwei Tonnen Lebensmittel für Bedürftige
Obst, Gemüse, Brot und Fleisch - bei der Dormagener Tafel können Bedürftige für wenig Geld Lebensmittel einkaufen. Dabei haben sie auf ihrem Rundgang zu den einzelnen Stationen immer die Wahl zwischen verschiedenen Gütern. FOTO: L. Berns
Dormagen. Zum heutigen Welternährungstag wirft die Redaktion einen Blick in die Lebensmittel-Ausgabe bei der "Dormagener Tafel". Dort können Dormagener für einen geringen Betrag an acht Stationen ihre Speisen aussuchen. Von Carina Wernig

Die Schlange vor der "Dormagener Tafel" ist lang: In drei Reihen stehen Frauen und Männer an, um bei der Lebensmittel-Ausgabe die grünen Körbe mit Speisen zu füllen. "Rund 126 Tonnen Lebensmittel verteilen wir im Jahr", hat Claudia Manousek hochgerechnet. Die Leiterin der Einrichtung, die von Ehrenamtlichen des Vereins "Dormagener Tafel" getragen wird, geht davon aus, dass pro Essensausgabe-Vormittag zwei Tonnen Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleischwaren über die Tische wandern - Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen oder entsorgt würden. Knapp 180 Familien mit 600 bis 700 Personen, dazu 100 Alleinstehende, werden im Ladenlokal an der Kölner Straße 13 versorgt. "In der Woche sind das 1500 Menschen", sagt Manousek. Zum heutigen Welternährungstag lassen sich die Kunden der "Dormagener Tafel" bei ihrem Einkauf begleiten.

Zum stark verbilligten Einkauf berechtigt sind alle Bezieher staatlicher Transferleistungen: Hartz IV-Empfänger, Flüchtlinge und Wohngeld-Bezieher, die sich bei der Tafel registrieren lassen müssen. Pro Person zahlen sie zwei Euro für den ganzen Korb an Speisen - pro Familie allerdings höchstens vier Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts. Insgesamt soll der Einkauf bei der Dormagener Tafel in knapp vier f Minuten abgeschlossen sein, wie Claudia Manousek erklärt: "Pro Station soll es 30 Sekunden dauern." In einem Rundkurs liegen die Stationen direkt hintereinander. Erika Müller (Name geändert) lässt sich für sich, ihren Mann und ihre Mutter Kartoffeln und Brötchen geben, dazu dann Brot. Beim Gemüse hat sie die Wahl und entscheidet sich für Möhren, Paprika und Rosenkohl. Nach kurzem Zögern nimmt Müller Äpfel statt Bananen, dazu als zweites Wahl-Obst eine Melone. Bei den Kühlwaren werden Joghurts, eine große Packung Kartoffelsalat Frikadellen und Fisch eingepackt. Ein grüner Salat, Klöße-Packung, Schokolade und Weckmänner komplettieren ihren Einkauf. "Ich bin sehr froh, dass es die Tafel gibt, wo wir immer freundlich behandelt werden", sagt die Langzeitarbeitslose Erika Müller. Auch eine türkische Familie mit zwei Kindern ist froh über diese Möglichkeit, frische Lebensmittel günstig zu erhalten: "Wir sind jede Woche zwei Mal hier", erklärt der Vater, der gut Deutsch spricht. Als Verständigungshilfe sind in den Regalen mit dem Fleisch einige Bilder von Fisch, Huhn, Kuh und Schwein zur besseren Erkennbarkeit angebracht.

Damit auch alle Kunden genügend Auswahl an Obst und Gemüse haben, sind die beliebtesten Sorten nicht gleichzeitig zu haben: "Also entweder Paprika oder Gurken, entweder Bananen oder Äpfel", erklärt Manousek. Allerdings bleibe auch genügend komplette Wahlfreiheit, zum Beispiel bei einer zweiten Sorte Gemüse: "Wenn man arm ist, muss man keinen Rosenkohl mögen - das wäre nicht fair."

70 Helfer hat die Dormagener Tafel - vom Packer über die Fahrer, die die Lebensmittel abholen, bis zu den Helferinnen in der Kleiderkammer. Hinter allem steckt eine logistische Meisterleistung, da neben den regulären Fahrten zu Supermärkten und Produzenten manche Lebensmittel von jetzt auf gleich abzuholen sind. Dann müssen sie sortiert und weitergetauscht oder eingelagert werden - dabei darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden.

Quelle: NGZ
 
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