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Ärger für "Ente"-Fahrer
1100 Euro für eine Umweltplakette
1100 Euro für eine Umweltplakette
1100 Euro für eine Umweltplakette FOTO: Thomas Busskamp
Um mit seiner Ente in die Düsseldorfer Umweltzone fahren zu dürfen, musste Andreas Mummel für viel Geld einen Katalysator einbauen lassen. Und das obwohl sich dadurch die Abgas-Werte des Autos nicht verändern.  Von Christian Herrendorf

Andreas Mummel liebt sein Auto ­- bis auf zwei Teile. Der Meerbuscher zeigt stolz auf die schwarzen Safari-Stoßfänger, die aus Äthiopien stammen, führt das Rolldach vor, das von nur eine Kordel hält, und schwärmt von den acht Millimeter dicken Bodenblechen. Die Hymne reißt erst ab, als Mummel die Motorhaube seiner Ente anhebt und einen quadratischen grauen Kasten erblickt.

„Elektronik”, sagt er und macht ein Gesicht, als sei er gerade zu einer Fahrt in einem neumodische Geländewagen gezwungen worden. Der elektronische Kasten ist Teil des Katalysators, der neuerdings in dem roten Citroen 2 CV steckt und ohne den Hummel keine Plakette für die Düsseldorfer Umweltzone erhalten hätte.

1100 Euro plus Mehrwertsteuer hat der Katalysator gekostet. Auf Nachfrage erfuhr Mummel in der Werkstatt, was der Katalysator für die Umwelt bringt: „Nichts.”

Zu jung für Oldtimer

Der Entenfahrer hat 220 mal so viel für die Plakette gezahlt wie die Eigentümer von anderen Autos. Fünf Euro kostet die Plakette, die seit dem 15. Februar erforderlich ist, um durch die Umweltzone in der Düsseldorfer Innenstadt fahren zu dürfen.

Ob ein Fahrzeug-Halter sie erhält, hängt unter anderem von der Schlüsselnummer ab. Dies hilften Enten-Fahrer Mummel aber ebensowenig wie die Ausnahmeregelung für Oldtimer. Dafür müsste sein Auto mindestens 30 Jahre alt sein, es feiert in diesem Jahr aber erst 20. Geburtstag.

Bei einer Demonstrations-Fahrt vom Großmarkt zu den Oberkasseler Rheinwiesen hatten Entenfahrer und andere Youngtimer auf das Problem aufmerksam gemacht, eine Änderung der Norm bewirkten sie nicht.

Im Internet fand Mummel einen Spezialisten in Niedersachsen, der Katalysatoren für die Ente entwickelt hatte. Leider lies sich der Händler seine Entwicklung fürstlich bezahlen, denn schon das Teil ohne Einbau kostet 730 Euro.

„Mehr noch als das Geld ärgert mich die Relation. Die stimmt einfach nicht. Große Autos mit hohem Verbrauch kriegen eine grüne Plakette, die Ente verbraucht nur sechs Liter Benzin und stößt ohne Kat 139 Gramm CO2 pro Kilometer aus”, sagt Mummel. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Ausstoß aller Porsche-Fabrikate liegt laut einer Studie der Fachhochschule Gelsenkirchen bei 297 Gramm pro Kilometer.

Die Stadt kann Mummel nicht helfen. Würde er in der Umweltzone wohnen oder einen Grund nachweisen, dass er zwingend in diese fahren muss, erhielte er eine Ausnahmegenehmigung, erklärt Peter Keulertz, Leiter des Straßenverkehrsamts. Da dies nicht der Fall ist, blieb dem Meerbuscher nur die wahl zwischen Umrüsten oder alle Umweltzonen der Republik meiden.

An einen Verkauf hat Andreas Mummel nie gedacht. „Das ist das tollste Auto, das ich je hatte. Es gibt immer ein großes Hallo, wenn ich irgendwo hinfahre, viele Menschen winken und strahlen”, sagt der Meerbuscher und deutet auf die beiden Aufkleber am Heck. „Qualität statt Elektronik” steht dort und „Ente gut, alles gut”.

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