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Düsseldorf
1450 Frauen sind Opfer häuslicher Gewalt

Düsseldorf: 1450 Frauen sind Opfer häuslicher Gewalt
Künstler Jacques Tilly hat mit dem Gleichstellungsbüro eine Postkarte gestaltet, deren Motiv auf den Tag gegen Gewalt an Frauen hinweist. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. "Nein! zu Gewalt an Frauen" lautet das Motto des morgigen Gedenktages. Künstler Jacques Tilly kreierte gemeinsam mit dem Gleichstellungsbüro eine Postkarte. Von Nicole Esch und Jörg Janssen

Am morgigen internationalen Gedenktag hisst die Stadt an verschiedenen Gebäuden Fahnen etwa der Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes". Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Gewalt gegen Frauen im Überblick.

Wie viele Gewaltdelikte sind in Düsseldorf bekannt? In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt stetig gestiegen. Laut Angaben der Polizei gab es im Jahr 2009 951 Anzeigen, im Jahr 2012 waren es bereits 1381 und im letzten Jahr 1453. Im selben Ausmaß steigt die Anzahl der Fälle, in denen ein Partner - meist der Mann - der Wohnung verwiesen wird sowie die Zahl der Vermittlungen an Beratungsstellen. "Das muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass es mehr Fälle häuslicher Gewalt gibt", sagt Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle. Genauso gut könne es sein, dass sich mehr Frauen trauen, Anzeige zu erstatten.

Wie viele Frauen bitten pro Jahr um Aufnahme ins Frauenhaus? Das "Frauenhaus Düsseldorf", eine von zwei Einrichtungen in der Stadt, hat in diesem Jahr bereits 60 Anfragen gehabt. Aufgenommen werden rund 30 bis 60 Frauen im Jahr. Die schwankenden Zahlen entstehen, weil sich die Frauen unterschiedlich lange dort aufhalten. Manche bleiben nur kurz, andere mehrere Monate, berichtet Carolin Feikes vom Frauenhaus Düsseldorf. Alle Frauen, die dieses Jahr aufgenommen wurden, haben Migrationshintergrund. Im vergangenen Jahr waren es 84 Prozent. Im "Internationalen Frauenhaus" gab es dieses Jahr 142 Anfragen. 19 Frauen konnten aufgenommen werden. Alle anderen Betroffenen werden in Häuser in der Region vermittelt.

Was wird in den Frauenhäusern geleistet? "Frauen in Frauenhäusern haben meist eine erhöhte Gefährdungslage", sagt Silvia Röck vom "Internationalen Frauenhaus". Daher muss vor allem ihre Sicherheit gewährleistet werden. Zusätzlich helfen die Mitarbeiterinnen bei existenzsichernden Maßnahmen, wie der Wohnungs- oder Arbeitssuche oder beim Kindergeld. Die meisten Frauen kommen aus einem schwierigen sozialen Umfeld.

Welche Formen der Gewalt an Frauen gibt es? Am offensichtlichsten ist die physische Gewalt. Dazu zählen Schläge und Tritte. Hinzu kommen psychische Gewalt, Belästigung und sexualisierte Gewalt. Gibt es Veränderungen bei den Formen der Gewalt? "Ich habe bei den Gesprächen mit den Frauen immer das Gefühl, dass es gewisse Trends gibt", meint Kleene. "Die Formen ändern sich: Mal sind es mehr Messerstiche, dann wieder mehr K.O.-Tropfen." Zurzeit geht die Entwicklung Richtung Cyber-Gewalt. Die Möglichkeit, jemandem über das Internet zu schaden, werden größer. Viele Männer überwachen ihre Partnerinnen über das Handy. Daher werden die Telefone von Opfern in den Frauenhäusern erstmal überprüft. Damit die Täter die Frauen nicht orten können.

Was kann man tun, wenn man Opfer wird oder Betroffene kennt? Bei körperlicher Gewalt kann das Opfer bei der Polizei Anzeige erstatten. Diese kann einen Wohnungsverweis für zehn Tage aussprechen. Frauen können sich an die Frauenberatungsstelle und die Frauenhäuser wenden. Für Jugendliche gibt es noch Pro Mädchen als Anlaufstelle. Auch Männer werden in steigendem Maße Opfer häuslicher Gewalt. Sie wenden sich an die Ambulanz für Gewaltopfer.

Quelle: RP
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