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Düsseldorf
15-Jähriger warf Handgranaten-Attrappe

Düsseldorf. Weil er seiner Lehrerin (33) die Attrappe einer Handgranate auf dem Schulhof vor die Füße rollte und dabei laut "Allahu akbar" rief ("Gott ist groß"), muss ein 15-jähriger Schüler aus Benrath jetzt beim Jugendgericht auf die Anklagebank. Von Wulf Kannegießer

Die Staatsanwaltschaft wertet die Aktion des jungen Marokkaners als "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten". Erwachsene müssen dafür mit bis zu drei Jahren Haft rechnen oder mit Geldstrafe. Da der geständige Schüler noch minderjährig ist, wird er nach Jugendrecht am Donnerstag mit einer milderen Maßnahme rechnen können.

Grün, etwa sieben Zentimeter groß und auf den ersten Blick einer echten Handgranate täuschend ähnlich: Das war jene Plastik-Nachahmung, mit der der 15-Jährige Mitte Mai gegen elf Uhr vormittags seine Lehrerin und etliche Mitschüler auf dem Pausenhof laut Geständnis schlagartig in Todesangst versetzt hat. Ohne Vorwarnung hat er demnach die Kunststoff-Imitation gezückt und vor die Füße der Lehrerin rollen lassen. Nicht mal vier Wochen nach einem Anschlag von zwei radikalisierten islamistischen Jugendlichen auf eine Sikh-Gemeinde in Essen, durch den drei Personen verletzt wurden, und nur zwei Monate nach verheerenden Sprengstoffanschlägen auf Flughafen und Metrostation im belgischen Brüssel mit 38 Toten und mindestens 340 Verletzten ließ die Schulleitung die Aktion des 15-Jährigen nicht als geschmacklos-makabre Tat durchgehen. Sie alarmierte die Polizei.

Laut Anklage habe der Junge "in Kauf genommen", dass durch die Attrappe und sein Gottesbekenntnis "auch das Sicherheitsgefühl der übrigen Schüler beeinträchtigt" worden sei, so der Vorwurf. Mit Rücksicht auf sein jugendliches Alter soll der Prozess gegen ihn ohne Publikum durchgeführt werden. Auch mit einer drastischen Bestrafung wird der 15-Jährige kaum rechnen müssen. Anders als bei Erwachsenen, bei denen laut Strafrecht der Sühnegedanke im Vordergrund steht, geht es nach Jugendrecht bei Minderjährigen vor allem um eine erzieherische Einflussnahme auf junge Menschen, die auf der Anklagebank sitzen. Das Gericht will - speziell nach dem Geständnis des 15-Jährigen - noch am Donnerstag zu einem Urteil kommen.

Quelle: RP
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