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Düsseldorf
1,5 Jahre warten auf Haushaltshilfe

Düsseldorf: 1,5 Jahre warten auf Haushaltshilfe
Sieht ihren Job bei "Casa Blanka" als Chance: Karina Horn, hier bei einer Arbeitgeberin in Gerresheim. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Wer bei der Zukunftswerkstatt Düsseldorf (ZWD) eine Kraft buchen will, braucht einen langen Atem. 200 Bürger, die bereit sind, einen ordentlichen Stundenlohn zu zahlen, müssen sich in Geduld fassen. Auch die ZWD überrascht das. Von Jörg Janssen

Britta G.* traute ihren Ohren nicht, als sie bei der Zukunftswerkstatt Düsseldorf (ZWD) anrief und nach einer Haushaltshilfe fragte. "Können Sie gerne haben, aber erst in anderthalb Jahren", lautete die Antwort am anderen Ende der Leitung. Eine unerwartete Auskunft. Denn der Stundenlohn, den der Kunde bei der ZWD-Tochter "Casa Blanka" zahlt, liegt zwischen 17,69 und 21,23 Euro - je nach Stundenzahl. "Wir haben 650 Kunden, die eine unserer rund 100 Kräfte beschäftigen, 200 weitere Interessenten stehen auf der Warteliste und kommen vorerst nicht zum Zuge", sagt Birgit Malzahn. Die "Casa Blanka"-Betriebsleiterin hat der enorme Zuspruch überrascht. "Wir helfen Frauen mit schwierigen Berufswegen, bieten sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bei privaten Haushalten und verstehen uns als legale Alternative zur weit verbreiteten Schwarzarbeit - aber wir nehmen nun mal einen im Vergleich höheren Stundenlohn", sagt sie.

Wie viele Schwarzarbeiter es im Bereich privater Putz- und Haushaltshilfen gibt, wagt niemand zu schätzen. Die Dunkelziffer ist hoch. Dem Phänomen ist nur schwer beizukommen. "Umso erfreulicher", findet Malzahn es, dass offensichtlich viele Düsseldorfer eine legale Hilfe zu einem ordentlichen Lohn beschäftigen wollen.

"Potenzielle Arbeitgeber schätzen Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit. Sie gehen davon aus, dass sie sich auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in dieser Hinsicht eher verlassen können", glaubt Peter Wege, Sprecher der Düsseldorfer Agentur für Arbeit. Freilich gelten bei seiner Behörde die umgekehrten Vorzeichen. "Zurzeit gibt es im Stadtgebiet 30 Angebote von Arbeitgebern, die meisten in Teilzeit. Dem stehen 262 Bewerber gegenüber, die gerne einen Job in der Reinigungsbranche möchten." Ein "Passungsproblem" nennt das die Agentur. Auf gut Deutsch: Es gibt mehr Menschen, die in die Reinigungsbranche wollen, als Arbeitgeber-Angebote, die bei der Agentur registriert sind. "Oft passt das persönlich gewünschte Zeitfenster nicht mit den Vorstellungen der Arbeitgeber zusammen, oder Wohn- und Arbeitsort liegen einfach zu weit auseinander", sagt Wege. Hinzu kommt: Anders als bei "Casa Blanka", wo es überwiegend um Jobs in privaten Haushalten geht, vermittelt die Arbeitsagentur Kräfte meist in Arztpraxen, Läden, Restaurants und Krankenhäuser.

"Offensichtlich fehlt der Nachwuchs im Bereich der professionellen Haushaltshilfen. Hier müssen zusammen mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter neue Lösungen entwickelt werden", sagt ZWD-Sprecherin Marion Krohn. So strebe die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft mit Blick auf die Nachwuchsproblematik eine Aufwertung der haushaltsnahen Tätigkeiten durch die verbindliche Festlegung einer Qualifizierung in Form eines Curriculums an. "Das wäre auch eine erste Grundlage für eine Berufsqualifizierung", sagt Krohn.

Über eine solche Aufwertung würde sich auch Karina Horn (45) freuen. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern hatte in ihrem Ausbildungsberuf als Bürokauffrau keinen Job gefunden, jobbte später in der Produktion und machte eine Schulung zur Erziehungsassistentin. Bevor sie zu "Casa Blanka" kam, arbeitete sie als Tagesmutter und in der Essensausgabe einer Schule. Zwei Jahre war sie arbeitslos, jetzt hat sie wieder Hoffnung, sich einen Zugang auf den ersten Arbeitsmarkt zu verschaffen.

Bei der Akquisition neuer Mitarbeiterinnen (unter den 100 Kräften ist nur ein Mann) arbeitet "Casa Blanka" eng mit dem Arbeitgeberservice Düsseldorf zusammen. 2014 gab es auf diesem Wege 24 Neueinstellungen. 20 Mitarbeiter erhielten nach Einarbeitung und Qualifizierung eine längerfristige Anstellung.

* Name geändert

Quelle: RP
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