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Weihnachtsbaum
Deutsche Lieblingstanne stammt aus Georgien

Weihnachtsbaum: Deutsche Lieblingstanne stammt aus Georgien
FOTO: CundA
Lennestadt. 25 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen. Die Nordmanntanne ist am beliebtesten. Die Waldbauern haben Existenzangst. Von Thorsten Breitkopf

Kaum etwas ist deutscher als der Weihnachtsbaum. Das glauben jedenfalls die Deutschen – doch der erste Christbaum soll im Jahr 1514 im lettischen Riga auf einem Platz aufgestellt worden sein. Und der Deutschen Lieblingsbaum, die Nordmanntanne, ist eigentlich in Georgien zuhause. Bis heute kommen die Samen für alle Bäume, die in NRW großgezogen werden, aus der Kaukasusrepublik.

Ihren Siegeszug trat die Nordmanntanne in den 1990er Jahren an. Mit weichen Nadeln, die nicht piksen, und einer längeren Haltbarkeit als bei den anderen Nadelbäumen machte sie sich zur Weihnachtszeit in deutschen Wohnstuben beliebt. Nach Angaben des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger hat der Baum, der nach dem finnischen Botaniker Alexander von Nordmann benannt ist, heute einen Marktanteil von 80 Prozent. Auf Platz zwei steht die Blaufichte, im Volksmund auch Edeltanne genannt.

Der oft bläulich schimmernde Baum, der so stark pikst wie manche Kaktussorte, stammt aus Colorado und Utah. Der fast immer ein bisschen krumme Geselle hält sich weit weniger lang als die Nordmanntanne und war in den 1980er Jahren als Modebaum die Nummer eins in Deutschland. Damals löste er die heimische Fichte ab. Die duftet wunderbar nach Wald, war Jahrhunderte lang der Standard-Weihnachtsbaum und ist in Vergessenheit geraten, obwohl sie als Nutzbaum stark verbreitet ist.

Die Preise für Weihnachtsbäume sind dieses Jahr erneut stabil. So kosten beispielsweise Nordmanntannen 16 bis 22,50 Euro pro laufendem Meter, Blaufichten 10 bis 14 Euro pro laufendem Meter und Fichten 10 bis 14 Euro. Die Preise sind in den Großstädten teilweise um ein Vielfaches höher als auf dem Land. Die sauerländischen Weihnachtsbaum-Bauern – sie liefern 75 Prozent der deutschen Bäume –bangen derzeit um ihre Existenz.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hat jetzt den Anbau von Weihnachtsbäumen im Wald verboten, um Monokulturen zu verhindern. Auf den von Sturm Kyrill freigeschlagenen Flächen stehen heute Tausende Christbäume. "Ohne Weihnachtsbaumanbau ist mein Hof existenziell bedroht", sagt Waldbauer Burchhardt Kesting aus Lennestadt. Drei Viertel seines Waldes war 2007 von Kyrill vernichtet worden. Aus seiner Schonung stammte jahrelang übrigens ausgerechnet der Weihnachtsbaum von Hannelore Kraft in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

 
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