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Schalttag
29. Februar: In Düsseldorf ein Tag zum Aufhören

Wenn es 1904 schon Privatfernsehen gegeben hätte, wäre eine Meldung aus Hoyerswerda vermutlich groß rausgekommen. Dort erlegten am 29. Februar Forstbeamte einen Wolf. Am gleichen Tag hat sich in Düsseldorf der Stahlwerksverband gegründet. Der Wolf ist inzwischen nach Sachsen zurückgekehrt, das Stahlsyndikat aber ist Geschichte.

Und da ist es nicht allein. Der Schalttag ist in der Stadtgeschichte vor allem ein Tag des Abschiednehmens. Als in Düsseldorf zuletzt der Kalender am 29. Februar aufgeschlagen wurde, unterzeichnete der damalige IDR-Chef auf dem Höhepunkt eines Spenden-Skandals seinen Aufhebungsvertrag.

Andere gingen freiwilliger, vor 20 Jahren zum Beispiel Polizeipräsident Hans-Friedrich Lisken in den Ruhestand. Bereits 1968 gab CDU-Politiker Peter Müller sein Bürgermeisteramt ab. Für den Neuen freilich kein Abschied, sondern ein Schritt auf dem Weg ins OB-Büro, in das Josef Kürten elf Jahre später - nicht in einem Schaltjahr - einzog.

Bei der Rheinbahn wurde an einem 29. Februar (1996) der Vorstandschef neu gewählt. 20 Jahre später ging Herbert Felz an einem gewöhnlichen 19. Mai in Rente. Das Staatsarchiv blieb zwar länger: 1832 als Königliches Provinzialarchiv gegründet, beging es am 29. Februar 1932 seinen 100. Geburtstag. Eine 200-Jahrfeier wird es in Düsseldorf nicht mehr geben, das Archiv ist als "Abteilung Rheinland" des Landesarchivs nach Duisburg umgezogen.

Es ist kein Datum für die Ewigkeit. Auch wenn Friedrich-Wilhelm II. das vielleicht im Sinn hatte, als er vor 200 Jahren das "1. Westfälische Feld-Artillerie-Regiment 7" mit dem Beinamen "Prinzessin Carl von Preußen" stiftete. Es war längst aufgelöst, als Düsseldorf den 100. Gründungstag feierte. Und auch den Traditionsnachfolger, das Artillerieregiment 7 in der 7. Panzerdivision der Bundeswehr, gibt es seit 2006 nicht mehr.

(sg)
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